Teilhabe

Teilhabe – 26.09.2015

Nach wie vor leide ich unter einem Gefühl der Unwirklichkeit. Die vergangene Woche war recht ereignisreich. Am Montag habe ich den unterschriebenen Autorenvertrag an den Verlag zurückgeschickt. Abends habe ich mich dann dem Autorenfragebogen des Verlags gewidmet. Neben den üblichen Daten wie Name, Adresse oder bisherigen Veröffentlichungen waren auch einige Fragen dabei, die nicht so schnell aus dem Handgelenk heraus zu beantworten waren. Am längsten habe ich mich mit dem Punkt “Was möchten Sie mit Ihren Lesern teilen?” beschäftigt. Das Ergebnis ist folgender Text:

“Ich bin in meiner psychotherapeutischen Arbeit jeden Tag mit den Lebensgeschichten meiner Patienten konfrontiert. Manche davon sind rührend, viele lustig, leider auch sehr viele tieftraurig und tragisch. Andere wiederum sprühen vor Hoffnung und Zuversicht. Diese Erfahrungen haben mich angeregt, meine Geschichten nicht in politischen Verschwörungsszenarien oder actiongeladenen Superheldenromanen, sondern im ganz normalen, scheinbar banalen Alltag zu suchen. Natürlich nutze ich dabei nicht die Schicksale meiner Patienten. Die psychotherapeutische Schweigepflicht ist mir als unverzichtbare Grundlage meiner Arbeit heilig. Meine Charaktere sind frei erfunden. Sie ähneln jedoch Menschen, die wir wahrscheinlich alle kennen: Neugierige Nachbarn, ehrgeizige Kollegen, beste Freundinnen, schweigsame Ex-Freunde…

Feigenbach, die fiktive oberschwäbische Kreisstadt, in der meine Romane spielen, ist der Ort, an dem diese Charaktere sich treffen, sich in Beziehungen zueinander verstricken, miteinander streiten, sich lieben, sich hassen und sich bisweilen sogar töten.

Mir ist es jedoch sehr wichtig, auch unter die Oberfläche dieses alltäglichen Wahnsinns zu blicken. Und dafür eignet sich die Form des Kriminalromans wie kaum eine andere. Die detektivische Arbeit der Kommissare ähnelt dem Vorgehen der Psychotherapeuten. Beide suchen nach Motiven und Zusammenhängen. Beide versuchen Dinge an’s Licht des Tages zu heben, die lange im Dunkeln versteckt waren. Und beide haben es mit ganz realen Menschen zu tun.

Ich bin in einer schwäbischen Kleinstadt aufgewachsen und kenne die für dieses Milieu typischen Menschen ebenso gut wie Inge, die Kommissarin in „Die Spur des Jägers“. Rehakliniken kenne ich ebenfalls sehr gut, ich arbeite in einer orthopädischen Rehaklinik. Der Gedanke, eine traumatisierte Kommissarin zu einer stationären Psychotherapie in den Schwarzwald zu schicken, war die Keimzelle meines Debüt-Romans.

Gleichzeitig finde ich es unglaublich reizvoll, Inge auf ihrem weiteren Lebensweg zu begleiten. Am Ende des Romans ist sie gerade 35 geworden. Sie hat noch 32 Berufsjahre vor sich und in dieser Zeit wird sich sicherlich noch viel Spannendes in ihrem Privatleben ereignen. Wie es mit Inge, ihrem Team, Staatsanwalt Fink, Anja, Peter und Frau Kösler weitergeht, werden Sie bald erfahren. Den zweiten Band meiner Reihe um die Feigenbacher Kommissarin habe ich bereits fertiggestellt.”

Wenn ich mir das nun mit ein paar Tagen Abstand noch einmal durchlese, bin ich sehr zufrieden mit dem Text. Er drückt in wenigen Worten genau aus, was mich bislang zum Schreiben motiviert hat und mich auch weiterhin an den Computer treiben wird: Ich bin als Autor selbst Teil meiner Geschichten und das ist total spannend.

Am vergangenen Mittwoch habe ich dann erfahren, dass die Veröffentlichung von “Die Spur des Jägers” vorgezogen wird. Das hat mich sehr gefreut. Ich bin bisweilen recht ungeduldig und einen Monat weniger warten zu müssen ist eine Wohltat für mich. Andererseits wird nun natürlich auch mehr Arbeit in kürzerer Zeit auf mich zukommen. Das Manuskript wird gerade redigiert, ich bekomme es am 2. Oktober zurück und darf dann meinen Senf dazu geben (Achtung Wortspiel, meine zukünftigen Leser werden das nach der Lektüre des Romans verstehen). Außerdem bekomme ich bald zwei Vorschläge für das Buchcover vorgestellt, auf die ich schon sehr gespannt bin.

Am vergangenen Donnerstag habe ich bei einer Memminger Fotografin ein Autorenfoto-Shooting absolviert. Als bekennender Trash-TV-Seher hat mich das stark an “Germany’s next Topmodel” erinnert. Auf jeden Fall hat es viel Spaß gemacht und da ich diese Woche sicher mindestens ein Foto bekommen werde, werde ich die Bilder dann auch selbstverständlich teilen.

Zu guter Letzt habe ich dann heute die erste Überarbeitung der Rohfassung des zweiten Teils meiner Inge-Vill-Reihe abgeschlossen. Ich lasse das Manuskript nun liegen, bis die Endfassung des ersten Teils mit dem Verlag abgesprochen ist. Darauf aufbauend werde ich den zweiten Teil dann noch einmal intensiv durchgehen. Abgabetermin ist der 7. November.

Den Rest des Tages werde ich mich nun in diversen sozialen Netzwerken bewegen, um meiner Autorenpersona Plattformen zu verschaffen, auf denen sich meine Leser über mich informieren und mir Rückmeldungen geben könne. Es bleibt spannendd.

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Erste Schritte

Seit nunmehr vier Tagen bin ich also nun ein Schriftsteller. Den vorangegangenen Satz zu lesen fühlt sich seltsam surreal an. Wahrscheinlich habe ich immer noch nicht so ganz realisiert, was in den letzten Tagen geschehen ist, was sich verändert hat.

Im Alter von 18 Jahren habe ich beschlossen, mich als Schriftsteller zu versuchen. Damals hatte ich einen klassischen Fehlgriff getan: Ich hatte mein Taschengeld in einen Roman mit hölzernen Chrakteren und einem unglaubwürdigen, unsspannenden Plot investiert und nachdem ich mich endlich durch die knapp 600 Seiten gekämpft hatte, war mein Fazit: „Das kann ich auch.“

Also begann ich zu schreiben, zunächst jedoch vollkommen unsystematisch. In rascher Folge entstanden Kurzgeschichten, Erzählungen und Teile eines historischen Romans, meines „opus magnum“ in vier Teilen, an dem ich nach wie vor arbeite.

Seitdem sind nun 17 Jahre vergangen. In dieser Zeit studierte Psychologie, begann eine Fortbildung zum Psychotherapeuten und ein Studium der Kulturwissenschaften, arbeitete in Akut- und Rehakliniken, Ambulanzen und Beratungsstellen. Das Schreiben begleitete mich dabei als spannendes Hobby durch berufliche und private Höhen und Tiefen. Meine Texte selbst oder gar über einen Verlag zu veröffentlichen war all die Jahre über ein schönes, verlockendes Traumgespinst.

2012 hatte mich dann die große Lust gepackt, mich einmal an einem Krimi zu versuchen. Das Resultat überzeugte schließlich auch meinen schärfsten Kritiker, mich selbst. Ich beschloss, mich auf Verlagssuche zu begeben. Wahrscheinlich hätten schon diese eineinhalb Jahre, in denen ich nach der Fertigstellung des Manuskripts in mehreren Phasen Ausschau nach Verlagen und Literaturagenturen hielt und an Exposèen feilte, genügend Stoff für ein Blog abgegeben.

Vor vier Tagen erhielt ich dann das Angebot, meinen Roman und den in der Zwischenzeit entstandenen Folgeband bei Ullstein Midnight als eBook zu veröffentlichen. Der Traum wurde plötzlich Realität. Und mit dieser Realität muss und darf ich mich nun anfreunden. „Die Spur des Jägers“ wird im Dezember erscheinen und bis dahin ist noch viel zu tun: Das Manuskript muss redigiert und korrigiert, das Cover gestaltet, Klappentext und Autorenbiographie müssen formuliert werden. Gleichzeitig werde ich als Autor an die Öffentlichkeit treten.

Dieses Blog ist der erste Schritt auf diesem Weg und gleichzeitig soll es für mich eine Art Raum zum Nachdenken sein. Eine Gelegenheit, innezuhalten, zusammenzufassen, was ich in meiner neuen Traumrealität erlebt habe, Einblicke in meine Arbeit zu geben und wenn Zeit dazu bleibt auch über das Hobby zu schreiben, dem ich weiterhin mit großer Leidenschaft nachgehe: Das Lesen.

Ich freue mich sehr auf das, was kommen wird und möchte diesen ersten Blogeintrags mit einem Ramones-Zitat beschließen, das mir in den letzten Tagen immer wieder in den Sinn kam:

„Hey ho, let’s go!“