Feigenbach ist überall

„Die Spur des Jägers“ ist nun seit einer Woche bei allen großen eBook-Händlern erhältlich und ich warte noch gespannt auf die ersten Bewertungen und Rückmeldungen meiner Leser. Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, möglichst viele „Sterne“ zu erhalten. Von diesem recht plakativen Bewertungssystem halte ich nicht viel. Welchen Sinn eine Skala von 1 bis 5 Sternen haben soll, wenn alles, was weniger als 4 Sterne bekommen hat, in den Augen vieler Leser schon „schlecht“ oder „keine Kaufempfehlung“ sein soll, hat sich mir nie erschlossen. Ein grundsolides Buch, das Spaß für zwischendurch bietet, ohne gleich zu ästhetischen Höhenflügen einzuladen, würde ich durchaus „nur“ mit 3 Sternen bewerten. Für mich bedeutet das „lesenswert“. Aber jeder Nutzer scheint den zu vergebenden Kategorien offenbar andere Abstufungen zuzuschreiben, sodass ich die Validität dieses Ratings für ungenügend halte. Da dringt dann eben doch mal wieder der Psychologe in mir durch :-).

Viel spannender als diese Sternchengeschichte finde ich ausführliche und gut begründete Kritiken in Textform, bei denen deutlich wird, dass der Leser sich über Elemente des Buchs Gedanken gemacht oder sich an bestimmten Details gerieben hat. Wenn möglich, versuche ich ebenfalls bei jedem Buch, das ich gelesen habe, derartige Rezensionen zu verfassen. Insofern finde ich beispielsweise Plattformen wie lovelybooks.de sehr spannend, die es Lesern ermöglichen, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und auch direkt mit Autoren in Kontakt zu treten. Zur Zeit berate ich gerade meine erste Leserunde zu „Die Spur des Jägers“ vor und ich bin schon sehr gespannt, wie die Rückmeldungen aussehen werden.

Eine Rückmeldung, die ich von Seiten mehrerer Verlage bekommen hatte, als ich damals mit dem fertigen Manuskript hausieren ging, war, dass ich doch bitte meinen fiktiven Schauplatz Feigenbach zugunsten einer echten schwäbischen Stadt wie Biberach oder Memmingen ersetzen sollte, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Mit dieser Bitte wurde ich nicht wirklich glücklich. Ich fühlte mich damit zu sehr in die Regioecke geschoben. Klar, mein Krimi spielt in Oberschwaben. Aber die Region ist der Schauplatz, nicht das Thema. Daher kam ich auch auf die Idee, eine fiktive oberschwäbische Kleinstadt nach meinen Bedürfnissen zusammenzubauen. Gut, natürlich ist diese Idee nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen. Stephen King hat es im Laufe seiner mittlerweile über 40jährigen Karriere geschafft, Maine und andere US-Bundesstaaten mit vielen kleinen und größeren Feigenbachs zu füllen und trotzdem das Lebensgefühl der Region und der jeweiligen Zeit mit dem Blick eines exzellenten Beobachters einzufangen.

Für mich als Psychologe kommt jedoch noch ein anderer wichtiger Aspekt hinzu: Die Schweigepflicht. Ich arbeite mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen zusammen und die Voraussetzungen für diese Arbeit sind Vertrauen und Verschwiegenheit. Ich habe es jeden Tag mit interessanten, traurigen, dramatischen, manchmal aber auch lustigen Schicksalen zu tun, die zumindest theoretisch eine Fülle von Stoffen für meine Romane bieten könnten. Das würde aber sowohl meinen persönlichen als auch meinen beruflichen Grundsätzen völlig widersprechen. Meine Patienten können sich ohne jegliche Abstriche sicher sein, dass ihre Anliegen bei mir gut und vertraulich aufgehoben sind. Die Charaktere in meinen Romanen sind Kunstfiguren, sie haben keine Entsprechung in der Realität und deshalb war es auch sinnvoll, ihnen eine künstliche Heimat zu geben. Und auch die Plots meiner Romane sind nicht durch reale Fälle, sondern eher durch den Konsum anregender Romane oder Fernseh-Serien wie „Game of Thrones“, „Breaking Bad“ oder „Mad Men“, aber auch „How I met your mother“, „Modern Family“ oder „The Big Bang Theory“ inspiriert. Insofern ist Feigenbach nirgendwo und doch auch irgendwie überall.

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