Aus 2 mach 1

Die Überarbeitung meines Thrillermanuskripts hat in der vergangenen Woche kräftig an Fahrt aufgenommen. Ich hatte ein paar Tage Urlaub und immer wenn meine beiden Jungs gerade mal beschäftigt waren, habe ich mich dem Text gewidmet. Das Beitragsbild oben habe ich in einem Café aufgenommen, als die Kurzen gerade bei einem Inlinerkurs waren und ich luxuriöse eineinhalb Stunden Zeit hatte.

Die erste Rohfassung, die ich Mitte 2017 geschrieben habe, nutze ich als Gerüst, um den Plot zu verdichten. Ein Thriller lebt von einer gewissen Atemlosigkeit, die Spannung sollte die meiste Zeit über auf einer ziemlich hohen Temperatur kochen und in den wenigen Atempausen nicht allzu sehr abkühlen. Das leistet die Erstfassung bislang nicht durchgängig. Allerdings bietet sie eine sehr gute Grundlage, um durch gezielte Veränderungen, Kürzungen und auch neue Textstellen aus einem teilweise spannenden Text einen richtigen Psychothriller zu machen.

Für mich ist aber der Plot nicht das wichtigste Element in einem Thriller. Vielleicht liegt es an meinem Psychologenjob, aber am meisten interessieren mich die handelnden Figuren, ihre Herkunft, ihre Motive und ihre Entwicklung. Ich habe bislang in meinen Krimis die Erfahrung gemacht, dass sich die Handlung beinahe von alleine ergibt, wenn die Charaktere umfassend und lebensecht ausgearbeitet sind. Wenn man sie dann aufeinander loslässt, ergeben sich automatisch interessante Konfliktlagen, die Handlungen erfordern. Und dann geschieht etwas, was im Idealfall mit ein wenig Feinschliff ein spannender Plot werden kann.

In der vergangenen Woche habe ich auch ein bisschen an meinen Figuren gearbeitet. Dabei habe ich zwei bislang getrennte Charaktere zu einem verschmolzen und zwar einen Mentor einer Hauptfigur mit einem ihrer Gegenspieler. Ich hoffe, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen spare ich Text ein. Zwei Charaktere brauchen mehr Platz im Buch als einer. Zum anderen wird die aus dieser Synthese resultierende Figur um einiges vielschichtiger. Ich mag es, wenn ein Antagonist aus Licht und Schatten besteht, wenn beide Anteile miteinander ringen und dadurch auch nicht klar wird, wie er letztendlich handeln wird. Wird der Mentorenanteil die Oberhand gewinnen? Oder der Schurke?

Die Umarbeitung der bisherigen Szenen mit den beiden alten Figuren wird zwar nun einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich bin zuversichtlich, dass es sich lohnen wird. Ich werde euch diesbezüglich auf dem Laufenden halten ;-).

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Ich bin noch am Leben

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Beitrag vom Juli 2017 stammt. Herrje, dabei hatte ich mir doch vorgenommen, regelmäßiger über meinen Schreibprozess zu berichten. Doch irgendwie ist das gründlich schief gelaufen.

Als Entschuldigung könnte ich anführen, dass sich bei mir viel verändert hat. Seit Anfang des Jahres habe ich einen neuen Job, der mir durch die noch fehlende Routine viel Konzentration und Kraft abverlangt. Auch im Privaten war 2017 ein eher turbulentes Jahr. Im November hat mich dann noch eine schwere Erkältung niedergeworfen, sodass ich mein NaNoWrimo-Projekt zur Halbzeit einstellen musste.

Diese drei Wochen, in denen ich mehr oder weniger ans Bett gefesselt war, habe ich jedoch genutzt, um ein wenig Ordnung in meine Schreibprojekte zu bringen. In meinem Projektordner auf dem PC befinden sich aktuell elf Schreibvorhaben in unterschiedlichen Stufen der Vollendung. Neben einem beinahe fertigen Inge-Vill-Kurzkrimi und dem halbfertigen Manuskript des vierten Teils sind dies drei historische Romanprojekte in unterschiedlichen Reifegraden, ein Regiokrimi, der schon länger bei einem Verlag zur Begutachtung liegt, ein epischer Fantasyroman, bei dem ich seit Jahren schon mit dem Worldbuliding beschäftigt bin, ein vollkommen aus den Fugen geratenes, 1200seitiges Urban-Fantasy-Manuskript (das passiert, wenn man rein entdeckend schreibt), dann ein Projekt, von dem ich bislang nur den Titel kenne, aber noch keine Ahnung habe, ob es einmal eine Kurzgeschichte oder ein Roman oder vielleicht auch nur ein Sonett wird, eine Idee für einen Thriller und die Erstfassung eines Psychothrillers.

Dass meine digitale Projekteschublade etwas chaotisch aussieht, dürfte daher wohl nachvollziehbar sein. Um dies Chaos zu ordnen, habe ich eine Prioritätenliste erstellt, die ich nun abzuarbeiten gedenke. Ganz oben findet sich dort der letztgenannte Psychothriller gefolgt von den neuen Inge-Vill-Projekten. Um nun bei der Stange zu bleiben, möchte ich einen erneuten Anlauf starten, meinen Schreib- und Überarbeitungsprozess mit kleinen Beiträgen zu begleiten. Voilà:

Aktuell habe ich schon mit der Überarbeitung des Psychothriller-Manuskripts begonnen. Dabei war mir die neue Version des Schreibprogramms „Papyrus Author“ eine wichtige Hilfe. Ich habe die Plotstruktur des Romans über den Organizer und die Timeline dargestellt und dabei einige Inkonsistenzen entdeckt und ausgemerzt. Dann habe ich das ganze Manuskript noch einmal gegen den Strich gebürstet, alle Charaktere und ihre Handlungen auf den Prüfstand gestellt und schließlich noch einmal einiges verändert und neu konzipiert. Das hat dazu geführt, dass ich etwa ein Drittel des Romans neu und ein weiteres Drittel umschreiben muss, aber das ist vollkommen in Ordnung. Das neue Konzept gefällt mir nämlich sehr gut.

Diese zweite Rohfassung möchte ich bis Ostern erstellt haben. Bis Pfingsten hoffe ich dann, dem Manuskript den Feinschliff zu geben, sodass ich es Testlesern anvertrauen kann. Und ab Juni werde ich mich dann verstärkt wieder meiner lieben Inge Vill zuwenden.

So ist jedenfalls einmal der Plan, ob das alles auch so klappt, werde ich dann ja regelmäßig hier berichten :-).

P.S.: Die Kirche im Beitragsbild ist übrigens die Basilika in Ottobeuren. Dort in der Nähe befindet sich neben meiner neue Arbeitsstelle auch der Geburtsort von Sebastian Kneipp. Dass ich meine Terminplanung nach kirchlichen Feiertagen ausrichte liegt allerdings weniger an diesem klerikalen Einfluss sondern vielmehr an meinen zu diesem Zeiten stattfindenden Urlaubswochen, die sich als natürliche Zeitmarken anbieten.