15.000 Wörter

Die ersten sechs Tage des Nanowrimo waren schon einmal recht produktiv. Gerade eben habe ich mit meinem Projekt „Lindenweiherleichen“ die 15.000-Wörter Marke geknackt. Zwar hatte ich mir vorgenommen, an Sonntagen nicht zu schreiben. Aber da ich die letzten Tage meinen Urlaub auch ein wenig genießen wollte, habe ich nicht so auf’s Tempo gedrückt, wie ursprünglich vorgesehen. Trotzdem liege ich zur Zeit voll im Soll.

Meine prognostizierte Schreibgeschwindigkeit von 1500 Wörtern pro Stunde habe ich ebenfalls erreicht, sodass mein Ziel von 18.000 weiteren Wörtern in den kommenden sechs Tagen durchaus realistisch ist. Zwei Stunden abendliches Schreiben sollten auf jeden Fall drin sein, ein willkommener Ausgleich zur Arbeit tagsüber. Der Plot steht und so kann ich einfach weiterschreiben, ohne mir allzu viele Gedanken über die Handlung zu machen. Trotzdem kommen mir auch immer wieder spontane Ideen, die ich gut und in den Schreibfluss einflechten kann.

Die 70.000 Wörter als Monatsziel sind also durchaus realistisch, auch wenn es sein könnte, dass mein Krimi ein wenig kürzer wird, als ursprünglich vorgesehen. Und jetzt werde ich gleich noch ein bisschen weiterschreiben. Ich bin schon gespannt, welchen „Wordcount“ ich kommendes Wochenende vermelden kann.

 

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Nanowrimo

Am kommenden Dienstag startet mit Beginn des Monats November der diesjährige nanowrimo. Für alle, die nicht mit dem Konzept vertraut sind: Autoren in aller Herren Länder setzen sich dabei das Ziel, ihr aktuelles Romanprojekt in den 30 Tagen des November um mindestens 50000 Wörter voran zu bringen. Auf www.nanowrimo.org stellen sie ihre Projekte vor und informieren regelmäßig über ihre Schreibfortschritte.

Ich habe bislang noch nie an einem nanowrimo teilgenommen. Im letzten Jahr war ich mit der Korrektur von „Schwabenmord“ beschäftigt und in den Jahren zuvor wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt. Ursprünglich hatte ich auch für dieses Jahr keine Teilnahme eingeplant und wollte mich stattdessen lieber mit dem Ausarbeiten eines neuen Thrillerprojekts beschäftigen, das mir schon länger im Kopf umherspukt. Doch dann kam mal wieder die Muse vorbei und ich konnte nicht verhindern, dass sie mich wild abknutscht.

Vor ziemlich genau zwei Wochen hatte ich eine erste Idee für ein neues Krimiprojekt. Wie meine Inge-Vill-Reihe, ist der Schauplatz Oberschwaben, allerdings habe ich dieses Mal einen real existierenden Ort ausgewählt. Der Krimi spielt in der Umgebung von Biberach/Riss. An einem idyllischen kleinen See, dem Lindenweiher (siehe Foto) werden in einer kalten Winternacht die Leichen zweier Teenager gefunden, sehr zum Unwillen meines Kommissars, der gerade dabei war, sich seine Tourenski für eine Alpenüberquerung anzuschnallen. Doch ein bestimmtes Detail im Zusammenhang mit dem Fall will ihn einfach nicht loslassen. Und so kommt es, wie es kommen muss.

Aus dieser Grundidee habe ich in den letzten Tagen einen kompletten Plot und viele mehr oder weniger sympathische Charaktere für mein Projekt mit dem Arbeitstitel „Lindenweiherleichen“ entworfen. Nun bin ich gerade noch dabei, der Handlung den letzten Feinschliff zu geben und am 1.11. werde ich mich daran machen, die Seiten mit Wörtern zu füllen.

Insgesamt veranschlage ich 75000 Wörter für den Roman. Da ich an Sonntagen nicht schreibe, bleiben mir 26 Tage dafür, sodass ich mit 3000 Wörtern am Tag mein Ziel gut erreichen dürfte. Dafür brauche ich erfahrungsgemäß etwa zwei Stunden täglich. Das ist machbar, allerdings wird mein Netflix-Abo in den nächsten vier Wochen dann wohl deutlich weniger intesiv genutzt werden als zuvor.

Hier und auch auf der nanowrimo-Seite werde ich regelmäßig über meine Fortschritte berichten. Wer mir dort folgen oder mich als writing buddy hinzufügen mag: Ich bin als MatthiasErnstAutor unterwegs. Allen Teilnehmern wünsche ich einen schönen, kreativen und vor allem frustfreien Nanowrimo 2016!

 

Ich bin noch am Leben ;-)

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Blog-Post vom 24. April 2016 datiert. Mein ursprüngliches Ziel, an dieser Stelle meinen Schreibprozess zu begleiten, scheine ich somit eindeutig verfehlt zu haben. Die Zeit seit April habe ich nämlich vorrangig mit Schreiben verbracht.

Ich gelobe jedoch Besserung. Ab sofort werde ich wieder in wöchentlichen Abständen über die Fortschritte meiner Bücher berichten. Und berichten kann ich eine ganze Menge. Zunächst erscheint es mir aber sinnvoll, einen Überblick über meine aktuellen Schreibprojekt und deren Stand zu geben. Hier hat sich nämlich seit April einiges getan.

Beginnen möchte ich einmal mit meinem neuen Krimi. Ich habe Die Arbeit am dritten Teil meiner Inge-Vill-Serie mit dem schlichten Arbeitstitel „Inge 3“ im Januar begonnen, dann für drei Monate zur Seite gelegt und im Juni die Erstfassung des Manuskripts beendet. In den letzten Tagen habe ich mir diese Rohfassung noch einmal vorgenommen und dabei erfreut festgestellt, dass ich deutlich weniger zu überarbeiten haben  werde, als ich ursprünglich befürchtet hatte. Der Kriminalfall funktioniert ganz gut. Es gibt einige Plotholes zu füllen und eine Szene muss ich neu hinzufügen, aber die Arbeit mit den mir nun schon lieb gewordenen Charakteren hat einmal mehr sehr viel Spaß gemacht. In den kommenden beiden Wochen werde ich nun die Feinarbeiten erledigen und die Zweitfassung des Manuskripts dann an meine Testleser ausgeben, auf deren Feedback ich schon sehr gespannt bin.

Ursprünglich sollte dieser dritte Teil meiner Krimiserie eine Rahmenhandlung bekommen, die in der Vergangenheit spielt, genauer gesagt im Jahr 1525 zur Zeit des Bauernkrieges. Als ich mir das Manuskript in den letzten Tagen noch einmal vorgenommen habe, habe ich jedoch festgestellt, dass ich diese Geschichte stiefmütterlich behandeln würde, wenn ich ihr nur einen Nebenrang als notwendigerweise dürre Rahmenhandlung zuweisen würde. Daher habe ich beschlossen, die Geschichte um den „Knittriger Gnadenkelch“ in eine Novelle umzuarbeiten. Hierfür muss ich noch ein wenig recherchieren, insbesondere zu den Bauern und ihren in den berühmten zwölf Artikeln niedergelegten Forderungen. Dies ist insofern spannend, als sich in der Gegend lebe, in der diese dramatischen Vorgänge real stattgefunden haben. Die zwölf Artikel wurden in Memmingen verfasst und Baltringen, in dem sich der berühmte Haufen bildete, liegt nur etwa 20 km von einem Wohnort entfernt. Das fertige Manuskript sollte etwa 80-100 Seiten umfassen. Es wird im Stil einer klassischen Novelle aufgebaut sein inklusive Dingsymbol, in diesem Fall der oben erwähnte „Gnadenkelch“.

Den bisher größten Teil des Jahres habe ich mit der Arbeit an meinem Urban-Fantasy-Projekt „Krauts“ verbracht. Die Erstfassung hat einen Umfang von 280.000 Wörtern, was etwa 900-950 Druckseiten entspricht. Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt und während des Schreibens hatte ich als Orientierungspunkte nur die jeweiligen Zwischenergebnisse, die am Ende eines jeden Kapitels erreicht wurden. Durch dieses Vorgehen ist die Geschichte sehr frei, aber keineswegs wild gewachsen. Die Überarbeitung wird trotzdem einige Zeit in Anspruch nehmen und ich habe beschlossen, das Manuskript erst einmal ein Jahr lang liegen zu lassen und mich stattdessen anderen Projekten zuzuwenden. Das liegt zum einen daran, dass ich Lust habe, etwas anderes zu schreiben, zum anderen aber auch daran, dass ich hoffe objektiver an dieses Mammutmanuskript herangehen zu können, wenn ich etwas zeitlichen Abstand gewonnen habe.

Das nächste größere Projekt, dem ich mich widmen werde, ist ein Thriller, der in London spielen wird und dessen Hauptfigur ein Psychotherapeut ist, der in unerwartete Schwierigkeiten gerät. Ich werde beim Schreiben ganz anders vorgehen als bei „Krauts“. Dieses Mal werde ich die Handlung komplett im Voraus konstruieren und dann anhand des Plotgerüsts die Szenen mit Leben füllen. Im Fall eines Thrillers erscheint mir das angemessener als bei „Krauts“. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht verraten.

Ursprünglich hatte ich geplant, Anfang August eine kleine Recherchenreise nach Prag zu unternehmen, um dort Nachforschungen für den dritten Teil meiner historischen Romanreihe anzustellen. Leider hat mir eine fiese Sommergrippe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem werde ich Anfang nächsten Jahres mit den Arbeiten an Teil drei der „Opposita concidentia“ beginnen. Ich bin schon gespannt, wie gut ich mich dann wieder in diese Welt hinein denken und hinein leben können werde.

Zu guter Letzt plane ich ebenfalls für 2017 einen Kurzkrimi, in dem meine Kommissarin Inge Vill eine kleine Reise antreten und dort beinahe ei ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis verpassen wird. Und auch für den regulären vierten Band der Krimiserie gibt es schon sehr konkrete Überlegungen.

Ich hoffe, dass ich kein Projekt vergessen habe. Bei der Menge an Vorhaben, könnte ich schon einmal den Überblick verlieren :-). Wenn ich mir durchlese, was ich alles geplant habe, stelle ich erleichtert fest, dass mir die Ideen bisher jedenfalls noch nicht ausgegangen sind und ich hoffe auch, dass sich das so fortsetzen wird.

 

Lebenszeichen

Ich habe in letzter Zeit wenig von mir hören lassen. Zumindest auf diesem Kanal, bei Twitter war ich deutlich aktiver, aber dazu werde ich zum Stichwort #BartBroAuthors ein anderes Mal etwas schreiben. Für meine Schweigsamkeit gibt es einen sehr erfreulichen Grund: Ich habe mir in den vergangenen Wochen die Finger an meinem neuen Projekt wund geschrieben.

„Krauts“, mein Urban-Fantasy-Roman, ist inzwischen auf stolze 450 Seiten angewachsen – und ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Allerdings bin ich auch nicht mehr allzu weit von der Halbzeit entfernt. Im Gegensatz zu meinen Krimis, bei denen ich den gesamten Plot im Voraus festgelegt und dann den Text ohne größere Abweichungen geschrieben habe, gehe ich dieses Mal anders vor.

„Krauts“ besteht aus 12 Kapiteln. In jedem der Kapitel gibt es ein Unterkapitel für jeden der 12 Point-Of-View-Charaktere. Festgelegt habe ich nur die Handlungspunkte am Ende jedes Kapitels. Die Geschichte innerhalb der Kapitel entwickle ich mehr oder weniger  frei auf diese Zielpunkte hin. Das macht zum einen sehr viel Spaß, zum anderen ergeben sich dadurch auch viele Verknüpfungen und Perspektiven, die ich beim groben Planen der Handlung noch nicht kannte.

Vor dem Überarbeiten des fertigen Manuskripts graust es mir jedoch schon ein wenig. Bedingt durch die Arbeitsweise gibt es viele Inkonsistenzen und logische Fehler in der Handlung und auch die Charaktere werden an einigen Stellen sich widersprechende Persönlichkeitszüge aufweisen. Erfreulicherweise muss mir darüber jedoch (noch) keine Sorgen machen.

Aktuell stehen noch 5 Unterkapitel des 6. Kapitels bis zur Halbzeit aus. Ich habe meinen Projektplan so gestaltet, dass ich das Manuskript dann erst einmal bis Ende Juni liegen lassen und mich anderen Dingen zuwenden werde. Zu allererst ist da einmal die Kurzgeschichte zu nennen, die ich für den „Forever“-Wettbewerb mit Nele Neuhaus einreichen werde. Sie  trägt den Titel „Cleopatra“, liegt in einer ersten Version von 12 Seiten bereits vor und benötigt nun noch etwas Feinschliff. Nach einer Woche Urlaub an der Loire, wo ich einige Schauplätze meines ersten Romans „B“ noch einmal besuchen werde, werde ich dann meinen 3. Inge-Vill-Krimi beenden. Das sollte bis Ende Juni gelingen. Ende August sollte „Krauts“ in einer ersten Rohfassung vorliegen. Dann werde ich mich einem schon längere Zeit geplanten Inge-Vill-Kurzkrimi widmen.

Ab Oktober sollte ich nur noch mit Überarbeiten beschäftigt sein. Die Arbeiten an „Krauts“ werden sich sicher bis weit ins nächste Jahr ziehen, aber gut Ding will eben Weile haben. Ganz bestimmt werde ich 2017 aber mit den Arbeiten an „W“, dem 3. Teil der „Opposita Concidentia“ beginnen. Das Projekt liegt schon viel zu lange auf Eis und F. J. Conrad scharrt schon ungeduldig mit den Hufen.

Es gibt also viel zu tun. Aber das ist ja nichts Neues :-).

 

Leitmotive

Ich höre beim Schreiben keine Musik. Wenn ich mich mit meinem Laptop in mein stilles Kämmerlein zurückziehe, dann ist es dort tatsächlich still. Die Wörter fließen am besten aus meinem Kopf in meine Finger, wenn es nichts gibt, das mich ablenken könnte. Das soll nicht heißen, dass ich keine Musik mag oder dass Musik nichts zum Entstehen meiner Bücher beitragen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich nicht gerade schreibe, höre ich viel Musik und die komplexen Stimmungen, die Musik auf so unnachahmliche transportieren kann, versuche ich auch so gut wie möglich in meinen Charakteren nachklingen zu lassen.

In meinem neuen Projekt „Krauts“ erzähle ich die Handlung aus den Blickwinkeln von zwölf Carakteren, vier dunkelgrauen und acht hellgrauen. Für jeden dieser Protagonisten habe ich Anfangs einen Song oder ein Musikstück gewählt, das zu dessen Persönlichkeit passen könnte. Aus meinen Ideen und der Stimmung dieser Musikstücke, versuche ich nun beim Schreiben die Caraktere zu entfalten und zu differenzieren. Über die Handlung und die handelnden Personen will ich noch nicht zu viel verraten, aber die zwölf „Songs“, die ich als Leitmotive verwende, teile ich gerne schon einmal – hier sind sie:

Frank Zappa – Bobby Brown (goes down)

Placebo – Teenage Angst

Muse – Bliss

Smashing Pumpkins – Porcelina of the vast oceans

Schubert – Sinfonie in h-moll, 1. Satz „Allegro moderato“

Nirvana – All Apologies

David Bowie – Heroes

Farin Urlaub – Petze

Rammstein – Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?

Queen – I want it all

Depeche Mode – Walking in my shoes

Alannis Morisette – You oughta know

 

Sollte aus dieser Liste eine gewisse Vorliebe für das Genre des Alternative Rock hervorscheinen, ist das voll und ganz beabsichtigt: Ich mag keinen Mainstream mehr :-). Deshalb bevorzuge ich auch die Schubert-Einspielung von Carlos Kleiber und den Wiener Philharmonikern.

 

Extrowurst

Letzte Woche habe ich in den Tiefen meines Kellers einen psychologischen Schatz entdeckt: Das Freiburger Persönlichkeitsinventar, komplett mit Manual, Testbögen, Profilbögen und Schablone. Ich hatte mir diesen Persönlichkeitstest kurz nach dem Ende meines Studiums gekauft, weil ich dachte, als frischgebackener Psychologe müsse man einfach so ein Verfahren im Haus haben. Wie mit so vielen Dingen, die „man“ unbedingt zuhause haben muss, habe ich das FPI aber nie benutzt.

Vorgestern kam mir dann jedoch eine spannende Idee: Wie würde wohl meine Kommissarin in diesem Test abschneiden? Welche Persönlichkeitszüge wären bei Inge Vill besonders ausgeprägt? Und in welche Richtung? Ich bat sie also, die 138 Fragen zu beantworten und das Ergebnis sehen wir grafisch auf dem Profilbogen oben abgebildet.

Persönlichkeitsforschung

Ehe ich Inges Persönlichkeitsprofil näher erläutere vielleicht noch ein paar kursiv gedruckte Vorbemerkungen zu Persönlichkeitstests im Allgemeinen, die mit der Materie bereits vertraute Leser natürlich gerne überspringen können. „Die Persönlichkeit“ ist seit langem ein Forschungsgegenstand der Psychologie. Im Grunde geht es darum, zu beschreiben, in welchen Persönlichkeitsmerkmalen sich Menschen voneinander unterscheiden. Im Lauf der Zeit gab es vielfältige Vorschläge, wie viele Persönlichkeitsmerkmale dafür in Betracht gezogen werden sollten. Der wissenschaftliche Konsens läuft inzwischen auf die sogenannten „Big Five“ (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit) hinaus, es gab aber auch Konzepte, die 16 oder mehr Faktoren berücksichtigten. Von diesen Persönlichkeitsmerkmalen wird angenommen, dass sie zeitlich stabil sind, d.h., dass beispielsweise ein introvertierter Mensch nicht an einem Tag zurückhaltend und am nächsten überschäumend unternehmungslustig ist, sondern eben immer mehr oder weniger zurückhaltend bleibt. Des entspricht natürlich auch dem „common sense“ der Alltagserfahrung. Wir kennen schüchterne, labile, selbstsichere, , hilfsbereite, gehemmte oder empfindliche Menschen. Jedes dieser Attribute beschreibt eine überdauernde Persönlichkeitseigenschaft.

Eine wissenschaftliche Methode, diese Persönlichkeitsfaktoren zu erfassen sind mehrdimensionale Persönlichkeitsinventare wie das vorliegende FPI. Diese werden üblicherweise so erstellt, dass die Entwickler zunächst sehr viele Fragen zu verschiedenen Aspekten der Persönlichkeit sammeln. Diese Fragen werden dann einer großen Menge von Testpersonen zur Beantwortung vorgelegt. Mittels statistischer Verfahren wird schließlich ermittelt, welche dieser Fragen sich zu bestimmten gemeinsamen Persönlichkeitsmerkmalen verbinden lassen. Abschließend wird das Testverfahren dann normiert, d.h. es wird einer umfangreichen bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe vorgelegt. Nach der Ermittlung statistischer Kennwerte kann man dann die Persönlichkeitsausprägungen jedes Einzelfalls in einen Vergleich zur Allgemeinbevölkerung setzen und so entscheiden, ob die individuelle Ausprägung unter- oder überdurchschnittlich oder eben durchschnittlich ist. Klingt kompliziert? Vielleicht wird es am Beispiel von Inges Profil deutlicher :-).

Das Freiburger Persönlichkeitsinnentar erfasst 12 Persönlichkeitsfaktoren: Lebenszufriedenheit, soziale Orientierung, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, Beanspruchung, Körperliche Beschwerden, Gesundheitssorgen, Offenheit, Extraversion und Emotionalität. Auf dem Profilblatt sind diese Faktoren jeweils als zwei Pole eines Kontinuums dargestellt. Nehmen wir als Beispiel die Lebenszufriedenheit: auf der linken Seite sehen wir die hohe Ausprägung (lebenszufrieden, gute Laune, zuversichtlich), gegenüber auf der rechten Seite die niedrige Ausprägung (unzufrieden, bedrückt, negative Lebenseinstellung) dieses Merkmals. Die Punkte zwischen den beiden Polen entsprechen den neun Standardwerten. Diese dienen dazu, die Werte in den unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen vergleichbar zu machen. „9“ bedeutet hierbei eine extrem hohe, „1“ eine extrem niedrige Lebenszufriedenheit. Der grau staffierte Bereich stellt grob die unauffällige, mittlere Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals dar. Besonders interessant sind Ausprägungen von „1“ und „2“ bzw. „8“ und „9“, weil sie prägnante Persönlichkeitszüge anzeigen.

Das Persönlichkeitsprofil der Inge Vill (Das könnte beinahe eine Kapitelüberschrift in einem Tarantino-Film sein 🙂 )

Alles klar? Dann sehen wir uns doch Inges Profil einmal etwas genauer an. Auf den ersten Blick fällt auf, dass wenige von Inges Persönlichkeitszügen im unauffälligen, mittleren Bereich liegen, nämlich nur Soziale Orientierung und Beanspruchung. Sieben weiter Persönlichkeitsmerkmale sind überdurchschnittlich ausgeprägt (Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, Körperliche Beschwerden, Offenheit und Emotionalität), drei dagegen unterdurchschnittlich (Lebenszufriedenheit, Gesundheitssorgen und Extraversion). Extreme Ausprägungen, die auf prägnante Persönlichkeitszüge hindeuten, weisen Gehemmtheit (hoch), Gesundheitssorgen (niedrig) und Emotionalität (hoch) auf.

Wenn wir dies nun in einem Fließtext zusammenfassen, könnten wir Inge als eher unzufrieden, bedrückt und zum Leben negativ eingestellt, durchschnittlich sozial orientiert, aber deutlich leistungsorientiert, aktiv, schnell handelnd, ehrgeizig-konkurrierend, äußerst gehemmt, unsicher und kontaktscheu, eher aggressiv, durchschnittlich stressbeansprucht, mit psychosomatischen Beschwerden, dabei aber gesundheitlich unbekümmert, offen und unkonventionell, eher introvertiert, ernst, zurückhaltend und überlegt sowie emotional labil, empfindlich, ängstlich mit vielen Problemen und psychosomatischen Beschwerden beschreiben.

Natürlich ist Inge nur eine fiktive Figur. Aber idealerweise ist auch die Persönlichkeit fiktiver Figuren mehrdimensional und gerade extreme Persönlichkeitszüge geben einem Charakter Ecken und Kanten. Ich werde demnächst auch Persönlichkeitsprofile von Staatsanwalt Fink und dem „Senfmörder“ erstellen und bin schon gespannt auf die Ergebnisse. Da ich dann noch 17 Fragebögen übrig habe, werde ich die handlungstragenden Figuren meines neuen Projekts „Krauts“ ebenfalls einer Testung unterziehen. Ich finde es spannend und bereichernd, mich in jede Figur hinein zu versetzen und die 138 Fragen aus ihrem Blickwinkel zu beantworten. Und hoffentlich gewinnen die Charaktere dadurch auch an Tiefe und Originalität.

Warum „extrovertiert“ Bullshit ist

Abschließend noch eine kleine Randbemerkung zum Begriff der Extraversion. Diese Persönlichkeitseigenschaft wurde erstmals von C.G. Jung beschrieben, und in der Folge dann ausführlich von H.J. Eysenck beforscht. Extavertierte Menschen sind gesellig und impulsiv, gegen gerne aus, schätzen Abwechslung und Unterhaltung, schließen rasch Freundschaften, fühlen sich in Gegenwart anderer wohl, sind lebhaft, schlagfertig und unternehmungslustig und übernehmen gerne die Führung. Introvertierte Menschen dagegen sind eher zurückhaltend, bleiben lieber für sich alleine, sind ruhig, ernst, wenig unterhaltsam und mitteilsam und wenig unternehmungslustig. Das Konzept ist offenbar so griffig, dass es inzwischen auch Einzug in die Alltagssprache und journalistische Texte gefunden hat.

Leider wird hier dann oft statt „extravertiert“ von „extrovertiert“ gesprochen. Das ist sowohl in Anbetracht des psychologischen Hintergrundes als auch der Etymologie des Wortes aus dem Lateinischen nicht korrekt. Dem Duden sind diese Feinheiten leider auch gleichgültig, sobald sich eine Wendung genügend hartnäckig eingebürgert hat, wird sie aufgenommen und so findet sich dort die Version mit „o“ neben der mit „a“. Ich zucke jedesmal zusammen, wenn ich in einem Text „extrovertiert“ lese. Es heißt ja auch nicht „Extrowurst“, oder?

 

 

Status quo

Da ich in der vergangenen Woche erkältungsbedingt ein paar Tage ausgefallen bin, habe ich die Zeit dazu genutzt,  mich auszuruhen und mir in meinem www-vernetzten Krankenbett einen Überblick über den aktuellen Stand meiner laufenden und geplanten Schreibprojekte zu verschaffen. Und so sieht der Status quo aus:

Inge Vill

Das Manuskript des 3. Teils meiner Inge-Vill-Reihe (Arbeitstitel MET UND MEUCHELMORD) umfasst bereits 25000 Wörter, was einem Viertel des anvisierten Umfangs von 100000 Wörtern entspricht. Wie ich bereits in meinem vorletzten Blogeintrag geschildert habe, ist mir allerdings ein anderes Projekt dazwischen gekommen und so liegt INGE 3 jetzt erst einmal auf Eis. Wann ich die Arbeit daran fortsetzen werde, weiß ich noch nicht, ich gehe jedoch davon aus, dass ich den Krimi spätestens in der ersten Hälfte des nächsten Jahres abschließen werde.

Außerdem spukt mir gerade ein Kurzkrimi im Kopf herum, in dem ich Inge auf eine London-Reise begleiten möchte. Ich habe dazu schon einige Ideen gesammelt, aber noch kein konkretes Konzept ausgearbeitet. Vielleicht widme ich mich diesem Projekt, wenn ich bei KRAUTS in ein Motivationsloch fallen sollte.

Krauts

Mein neues Fantasy-Projekt zählt nun schon mehr als 13000 Wörter. Allerdings gehe ich davon aus, dass es am Ende schon 200000 Wörter werden, insofern erscheint mir in Anbetracht meines Schreibtempos eine Fertigstellung des Manuskripts Ende dieses Jahres als realistisch. Die Wahl des neuen Schauplatzes Ulm hat sich als wahrer Glücksfall erwiesen, ich habe schon ganz viele Ideen dazu, die auf eine rasche Umsetzung drängen.

Opposita Concidentia

Mein Alter Ego F. J. Conrad wartet weiterhin geduldig darauf, endlich mit Band 3 der historischen Romanreihe beginnen zu dürfen. Er wird sich wohl noch weiter gedulden müssen. Immerhin werde ich dieses Jahr zwei Reisen unternehmen, eine ins Loire-Tal, die andere nach Prag und auf beiden werde ich die Gelegenheit haben, vor Ort zu recherchieren, zu fotografieren und den bereits ausgearbeiteten Plot mit historischem Lokalkolorit anzureichern. Mit dem Schreiben werde ich dann allerdings wohl bis 2017 warten müssen, dann werde ich mir aber die Bände 3 und 4 in einem Rutsch vornehmen – wenn nichts dazwischen kommt.

Sonstiges

Am vergangenen Wochenende habe ich ungewohnt wagemutig meinen Hut in den Ring geworfen und bei Twitter angekündigt, dass ich am am Forever Schreibwettberwerb mit Nele Neuhaus teilnehmen werde. Es geht um eine erotische Geschichte, also komplettes Neuland für mich. Aber nicht nur die Leber, sondern auch der Autor wächst wohl an seinen Aufgaben und so werde ich mein Bestes geben. Ideen habe ich bereits, mir schwebt beispielsweise eine Szene in einem vollbesetzten Tube-Zug in London vor. Das Ganze wird wohl etwa 2000-3000 Wörter umfassen und dich habe vor, die Geschichte in einem Rutsch zu schreiben, wahrscheinlich über Ostern. Da habe ich Urlaub.

Zudem knüpfe ich gerade Kontakte zu anderen Autoren und in diesem Zusammenhang deuten sich auch mögliche, zukünftige Projekte an. Es bleibt also spannend. Ich werde auf jeden Fall weiterhin regelmäßige Status quo (ich liebe die lateinische Sprache 🙂 ) posten, dann wahrscheinlich aber auf meiner neuen Homepage www.matthias-ernst-autor.de, die am 29.02. an den Start gehen wird – wenn nichts dazwischen kommt.

 

 

 

 

 

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum

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Morgens halb 10 in Ulm kam mir eine Idee…

Die letzten beiden Wochen habe ich damit zugebracht, erste Skizzen für meinen neuen Roman „Krauts“ auszuarbeiten. Ich bin dabei zunächst so vorgegangen, dass ich die Auftritts-Szenen einiger Hauptfiguren geschrieben habe, um ein Gefühl für die neue Geschichte zu bekommen. Dabei wurde ich mit einer Schwierigkeit konfrontiert, die ich aus meiner alltäglichen Arbeit mit Patienten nur zu gut kenne, dem Problem des allzu Vertrauten.

Gewohnheiten sind eine großartige Sache. Sie auszubilden und zu festigen ist vielleicht eine der erstaunlichsten Fähigkeiten, über die unser Gehirn verfügt. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich jedesmal, wenn ich ins Auto steige, wieder auf dem Stand meiner ersten Fahrstunde wäre. Oder wenn ich jedesmal, wenn ich ein Buch aufschlage, das Lesen wieder neu lernen müsste. Durch jahrelange Übung sind diese Fertigkeiten inzwischen in einem derart hohen Grad automatisiert, dass ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, mit welchem Fuß ich Gas gebe oder welcher Laut zu welchem Buchstaben gehört.

Die Sache mit den Gewohnheiten hat jedoch einen ganz gewaltigen Haken: Das Gehirn automatisiert freudig alles, was regelmäßig eingeübt wird, ohne dabei zu unterscheiden, ob es positiv oder negativ ist. So wird dann aus dem regelmäßigen Rauchen von Zigaretten genauso eine schwer abzulegende Gewohnheit wie aus dem ewigen Kuschen vor dem Chef oder dem Anbrüllen der Kinder.

Ich rauche nicht, habe ein prima Verhältnis zu meinen Chefinnen und brülle meine Kinder nicht an – aber eine eigentlich liebgewonnene Gewohnheit hat mir in den letzten beiden Wochen trotzdem Probleme gemacht: Feigenbach.

Ursprünglich hatte ich geplant, dass „Krauts“ ebenfalls in dem kleinen, oberschwäbischen Städtchen spielen sollte wie meine beiden Inge-Vill-Romane. Die Stadt kenne ich inzwischen aus der Westentasche und ich bewege mich sicher in ihr. Nachdem ich das erste Kapitel von „Krauts“ geschrieben hatte, bemerkte ich allerdings, dass es vom Ton und der Stimmung her ziemlich ähnlich klang wie „Schwabenmord“. Grundsätzlich war der Text ganz ok, aber irgendwie fand ich ihn nicht stimmig. Daher arbeitete ich ihn noch einmal um und entfernte alle Feigenbach-Bezüge. Mit dem Resultat war ich deutlich zufriedener.

Nach einigem Zögern entschloss ich mich daher, auf den Schauplatz Feigenbach zu verzichten. Zunächst dachte ich daran, eine neue fiktive Kleinstadt zu bauen, doch heute morgen, bei einem Spaziergang durch die noch recht leere Fußgängerzone in Ulm kam mir die Idee, den Roman dort spielen zu lassen. Ich wurde in Ulm geboren, habe also einen Bezug zu dieser Stadt. Zudem ist in Ulm, obwohl die Stadt deutlich größer als Feigenbach ist, die Natur immer in greifbarer Nähe. Und einsame Waldgebiete und verschwiegene Baggerseen werden eine wichtige Rolle in „Krauts“ spielen.

Bislang ist es nur eine Idee, die ich nun empirisch testen muss, indem ich einige Szenen schreibe, die in Ulm spielen. Wenn sich mein Bauchgefühl dann für Ulm als neuen Schauplatz des Romans entscheiden sollte, werde ich mich einer Aufgabe widmen, auf die ich mich ungemein freue: Schauplätze recherchieren. Ich werde mit meiner Kamera bewaffnet durch Ulm und Umgebung ziehen und nach Orten, Gebäuden, öffentlichen Plätzen und stillen Winkeln suchen, die sich als Handlunsgorte anbieten. Parallel dazu werde ich noch meine Charaktere und ihre Beziehungen zueinander ausarbeiten. Dann werde ich sie in das große Abenteuer schicken, das in „Krauts“ für sie vorgesehen ist. Und darauf freue ich mich am allermeisten.

 

Musenkuss

Statistisch gesehen war der Januar ein sehr guter Schreibmonat. Das Manuskript meines 3. Inge-Vill-Romans umfasst bereits 25000 Wörter, womit ich bereits etwa ein Viertel des geplanten Umfangs erreicht habe. Mein selbstgestecktes Ziel, bis Ende März die Krimihandlung fertig zu haben, mich dann bis Mitte Mai der Rahmenhandlung zu widmen, danach eine Woche Urlaub zu genießen, um schließlich bis Ende Juni eine verlagstaugliche Erstfassung vorliegen zu haben, wäre demnach durchaus realistisch, wenn nicht…

Ja, wie soll ich es ausdrücken? Wenn nicht etwas eigentlich sehr erfreuliches geschehen wäre. Aus der Kreativitätsforschung ist das Phänomen schon lange bekannt, dass kreative Prozesse häufig eine zeitlang im verborgenen Arbeiten, um dann mit einem Schlag als fertige Idee ans Tageslicht zu treten. Und genau das ist mir jetzt zugestoßen.

Schon seit Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, einmal einen Fantasy-Roman zu schreiben. Kein von Elben, Vampiren oder Drachen wimmelndes Märchenbuch, sondern eine Geschichte, in der sich rätselhafte Mystery-Elemente mit einer bodenständigen Thriller-Handlung verbinden. Also eher „Akte-X“ als „Herr der Ringe“. Möglicherweise hat die Lektüre von Stephen Kings fabelhafter Geschichtensammlung „Basar der bösen Träume“ diesen Gedanken neue Nahrung gegeben, vielleicht war es aber auch einfach an der Zeit, in diesem Projekt einen Schritt weiter zu gehen.

Langer Rede kurzer Sinn: In den letzten Tagen habe ich ein komplettes Konzept für meinen Fantasyroman entwickelt. Er trägt den Arbeitstitel „Krauts“ und wird ebenfalls in meiner Lieblingskleinstadt Feigenbach spielen. Allerdings wird er mit meinen Inge-Vill-Krimis wenig zu tun haben, auch wenn ein paar Berührungspunkt vorhanden sein werden.

Im Vorwort zu einer seiner Kurzgeschichten beschreibt Stephen King seine Erfahrung mit plötzlich auftauchenden Ideen, die nachdrücklich darauf drängen, umgesetzt zu werden. In der gleichen Situation finde ich mich nun wieder. Nach einigem hin- und herüberlegen, habe ich mich jetzt dazu entschieden, das Manuskript von „Inge3“ ein wenig ruhen zu lassen und mich stattdessen „Krauts“ zu widmen. Zum einen verspüre ich eine Riesenlust darauf, in das neue Projekt einzutauchen, zum anderen habe ich ich den Verdacht, dass es auch dem 3. Inge-Vill-Roman etwas gut tut, wenn das bisher Geschriebene ein wenig reifen darf. Ich will ja schließlich keine Fließband-Krimis schreiben und vielleicht profitiert auch „Inge3“ von der Arbeit an „Krauts“.

Ich werde nun also mit dem Schreiben beginnen und ausprobieren, ob und wie gut ich in die Geschichte hineinfinde. Natürlich kann es auch sein, dass ich nach ein paar Seiten merke, dass es einfach nicht funktionieren will. Aber ausprobieren muss ich es. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, was ich den folgenden Blog-Beiträgen Über „Krauts“ vermelden kann.

Band 2

Schwabenmord klein

Seit Vorgestern ist mit SCHWABENMORD mein zweiter Inge-Vill-Krimi nun endlich auf dem Markt. Mit zweiten Bänden ist das ja immer so eine Sache. Zum einen sollen sie natürlich eigenständige Bücher sein, die man im besten Fall auch lesen kann, wenn man den Vorgänger nicht kennt. Zum anderen sollen aber natürlich auch Anknüpfungspunkte zum ersten Band vorhanden sein, sollen sich serienübergreifende Handlungsstränge fortsetzen und Charaktere weiterentwickeln.

Bei der Konzeption von SCHWABENMORD war mir wichtig, nicht eine bloße Kopie von DIE SPUR DES JÄGERS zu schreiben. Deshalb entschied ich mich dafür, mich im zweiten Band nur auf einen Handlungsstrang zu konzentrieren. Während bei DIE SPUR DES JÄGERS Inges Aufenthalt in der psychosomatischen Klinik und das Tagebuch des „Senfmörders “ eine beinahe ebenso wichtige Rolle spielen wie die eigentliche Krimihandlung, liegt der Schwerpunkt bei SCHWABENMORD ganz klar auf den beiden Mordfällen.

Das Buch ist also ein bisschen klassischer geraten, da im Zentrum der Handlung das Zusammenfügen der Puzzleteile steht, mit denen Inge die Fälle aufklärt. Das bedeutet nun nicht, dass die psychologische Seite zu kurz kommt. Hierbei fand ich zum einen Inges Ausgangslage spannend: Zu Beginn des Buches beginnt sie nach über einem Jahr Auszeit eine berufliche Wiedereingliederung, tastet sich also erst einmal vorsichtig an den Berufsalltag heran. Das geht sehr häufig mit Unsicherheit und Ängste einher und läuft  manchmal auch recht holprig. Ich wollte nun darstellen, wie sie in ihrem beruflichen Alltag langsam Sicherheit gewinnt, sich diesen wichtigen Lebensbereich sozusagen von ihrer Angst zurückerobert.

Das zweite psychologische Thema des Buches ist Inges komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter, die durch die Ereignisse in DIE SPUR DES JÄGERS noch schwieriger geworden ist als zuvor. Dies wird sicher auch in den kommenden Bänden immer mal wieder wichtig werden.

Aufgrund ihrer guten Erfahrungen in der psychosomatischen Klinik begibt sich Inge auf die Suche nach einem ambulanten Psychotherapieplatz und hat mehrere Vorgespräche bei Psychotherapeuten. Zu diesem Thema werde ich nächste Woche noch ausführlicher schreiben.

Und natürlich haben auch viele Figuren aus Band 1 ihren Platz in SCHWABENMORD: Inges Team, Staatsanwalt Fink (dessen Vornamen wir nun endlich erfahren :-)), Anja, Peter, Frau Kösler…

Ich hoffe jedenfalls, dass diejenige, denen DIE SPUR DES JÄGERS gefallen hat, auch SCHWABENMORD mögen werden und dass alle Leser, die gleich mit Band 2 einsteigen, viel Freude an dem Buch haben!