Das goldene Jahrhundert der Verwüstung

Die vergangene Woche habe ich ich dazu genutzt, mich ein wenig in das 17. Jahrhundert „einzulesen“. In meinem letzten Blogpost  habe ich meine Recherche als eine Bewegung vom Allgemeinen zum Besonderen beschrieben. Die beiden Bücher, die ich zunächst hierfür zurate gezogen habe, berühren beide Gesichtspunkte.

The golden century“ von Maurice Ashley ist ein Beispiel für eine sehr allgemein gehaltene Überblicksdarstellung. Auf 240 Seiten geht der Autor auf die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung im Europa des 17.Jahrhunderts ein. Ashley schafft es dabei, die parallel in verschiedenen Ländern ablaufenden Prozesse so zu beschreiben, dass der Leser ein Gefühl für die Gleichzeitigkeit der Ereignisse bekommt. Gerade bei historischen Roman ist der Blick über den Tellerrand wichtig. Mein neues Projekt wird sich zwar (zunächst) auf Frankreich in den 1620ern konzentrieren, ich sollte aber trotzdem sehr gut darüber Bescheid wissen, was zu dieser Zeit in England, Spanien, den Niederlanden, dem Heiligen Römischen Reich, Italien und im Baltikum geschah. Spezifischere Bücher über die französische Geschichte oder bestimmte historische Persönlichkeiten lassen diesen internationalen Blick jedoch oft vermissen. Insofern ist „The golden century“ ein guter Startpunkt.

Einen anderen Ansatz hat Peter Englund für sein Werk „Verwüstung: Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ gewählt. Der schwedische Historiker hat mit diesem Buch das Kunststück vollbracht Allgemeines und Besonderes auf eine derart mitreißende Art und Weise darzustellen, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Das Werk hat drei Ebenen. Zum einen beschreibt Englund die Geschichte des 30jährigen Krieges mit dem Schwerpunkt auf der schwedischen Perspektive. Allein dieser Teil ist schon meisterhaft ausgeführt. Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit dieser Epoche, aber das Buch hat mir einige Zusammenhänge deutlich gemacht, die ich zuvor nicht verstanden hatte. Die zweite Ebene ist die Geschichte Erik Jönsons, eines jungen Mannes, der während des Krieges aufwächst und und er Zeit danach sein Glück finden will. Anhand der Tagebuchaufzeichnungen des historischen Jönsons entwirft Englund beinahe so etwas wie einen kleinen Entwicklungsroman. Das ist spannend zu lesen und bringt die Perspektive des „Normalbürgers“ mit ins Spiel, die viele andere Darstellungen außen vorlassen. Mit diesem Teil über Jönson sind zahlreiche Exkurse zu kulturgeschichtlichen Aspekten als dritte Ebene im Buch verknüpft. Wir erfahren etwas über die Freizeitbeschäftigungen der Menschen im Barock, ihre Tischsitten, ihr Verhältnis zu Zeit und Arbeit und vieles mehr. Damit ist „Verwüstung“ eine erstklassige Quelle für mein Romanprojekt, auch wenn der behandelte Zeitabschnitt wohl dann eher Eingang in eine mögliche Fortsetzung finden wird.

Das nächste Buch auf meiner Leseliste ist „Königinnen auf Zeit“ von Anka Muhlstein. Die Autorin behandelt hier die drei Regentschaften von Katharina von Medici, Maria von Medici und Anna von Österreich. Die letzten beiden sind für meinen Roman sehr wichtig. Im Vordergrund der Darstellung steht die Beziehung zwischen den Regentinnen und ihren minderjährigen Söhnen. Den Teil über Katharina von Medici habe ich schon gelesen und dabei habe ich einige interessante Parallelen zu „Game of Thrones“ entdeckt. George R. R. Martin (ein großer Kenner der frühneuzeitlichen europäischen Geschichte) hat sich in seiner Darstellung von Cersei Lannister und Joffrey Baratheon ganz offenbar nicht nur von den englischen Rosenkriegen sondern auch von Regentschaft Karls IX. von Frankreich inspirieren lassen. Mein nächster Post wird sich ein wenig ausführlicher mit diesen Parallelen aber auch den Unterschieden zwischen Fantasy und realer Geschichte beschäftigen.

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Ein historischer Roman entsteht

Bislang habe ich es nie so richtig geschafft, meinen Schreibprozess mit regelmäßigen Blogartikeln zu begleiten und zu dokumentieren. Asche auf mein Haupt :-). Doch ab sofort wird das alles anders. Versprochen.

Aktuell arbeite ich an zwei Projekten. Zum einen werden ich in den nächsten Monaten meine Inge-Vill-Reihe fortsetzen. Da ich diesbezüglich alles schon geplottet habe, kann ich erst einmal fröhlich drauflos schreiben und darauf freue ich mich auch schon sehr.

Mein zweites Projekt ist ein historischer Roman, der im 17. Jahrhundert spielt. Die Idee dazu kam mir vor ein paar Wochen und sobald ich begonnen hatte, mich näher damit zu beschäftigend war ich recht schnell Feuer und Flamme. Die Musketier-Romane von Alexandre Dumas waren einer der Hauptgründe, warum ich mit Schreiben begonnen habe. Und mein neuer Roman wird zur selben Zeit am selben Ort spielen, im Frankreich des Jahres 1625.

Ehe ich mit Schreiben oder überhaupt mit dem Plotten des Romans und dem Konzipieren der Figuren beginnen kann, stehen mir jedoch umfangreiche Recherchen bevor. Wie Ihr auf dem Foto sehen könnte, habe ich mich bereits mit Literatur zum Thema eingedeckt. Grundsätzlich geht es mir zunächst einmal darum, über die geschichtlichen Hintergründe genau Bescheid zu wissen. Danach werde ich mich auf die kulturgeschichtlichen Aspekte konzentrieren: Wie lebten die Menschen damals? Wie und was dachten sie? Was motivierte sie zum Handeln? Womit bezahlten sie? Was aßen sie? Wie reisten sie? Usw.

Erst wenn ich genügend Hintergrundwissen habe, kann ich mich daran machen, die Figuren mit Leben zu erfüllen. Ich möchte nämlich nicht Gefahr laufen, meine Charaktere zu modern zu gestalten. Was ich versuchen möchte, ist nämlich nichts weniger, als einen „echten“ historischen Roman zu schreiben. Dabei orientiere ich mich an Umberto Eco, der in der „Nachschrift zum Namen der Rose“ historische Romane nach dem Grad ihrer Authentizität in drei Kategorien einteilt:

Bei Romanzen wird eine Handlung in eine beliebige und austauschbare Vergangenheit versetzt, um sie durch das historische Element exotischer zu gestalten. Viele Groschenromane fallen in diese Kategorie.

Mantel- und Degenromane sind – was die Handlung betrifft – an eine bestimmte Zeit gebunden. Die Charaktere denken und handeln jedoch nicht historisch, sondern eher wie Menschen aus der Epoche des Autors oder der Autorin. Die Romane von Alexandre Dumas oder Walter Scott sind klassische Beispiele für diese Kategorie. Neuere Vertreter sind die „Wanderhuren“-Romane oder auch – wofür mich einige ihrer Fans wahrscheinlich steinigen werden – die sehr gut recherchierten Wälzer von Rebecca Gablé.

Und dann gibt es da noch die „echten“ historischen Romane. Bei diesen sind die Charaktere und der historische Hintergrund eins. Natürlich zählt Eco – berechtigterweise – „Der Name der Rose“ dazu, aber auch die Shardlake-Serie von C. J. Sansom, die Tudor-Romane von Hilary Mantel und die Werke von Bernard Cornwell würde ich dazu rechnen. Ebenso wie „Das Parfüm“.

Inwieweit es mir gelingen wird, diese anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen, kann ich noch nicht einschätzen. Um die Figuren jedoch „historisch echter“ zu gestalten, werde ich einen Schwerpunkt meiner Recherchen auf Literatur aus dem 17. Jahrhundert (z.B. den „Simplicissimus“ in der Originalversion) aber auch auf Briefe und andere Selbstzeugnisse von Menschen aus dieser Epoche zurückgreifen.

Zunächst jedoch verschaffe ich mir einen Überblick mit einem Klassiker. Leopold von Rankes „Französische Geschichte“ ist zwar nicht mehr aktuell, jedoch entwirft er ein detailreiches Panorama des 16. und 17. Jahrhunderts, das noch immer seinesgleichen sucht. Danach werde ich mich dann in die Biographien der wichtigsten historischen Persönlichkeiten vertiefen: Richelieu, Ludwig XIII., Maria von Medici, Anna von Österreich, Gustav Adolf von Schweden, Wallenstein usw.

Es gibt also viel zu tun, aber ich freue mich schon sehr darauf, in diese spannende Epoche einzutauchen und euch in REGELMÄßIGEN Artikeln daran teilhaben zu lassen.

Ende Teil 1

Gestern Abend konnte ich nach vier Monaten Arbeit und knapp über 120.000 Wörtern „Ende“ unter das Manuskript meines Thriller-Projekts „FS1900“ schreiben. Ein tolles Gefühl. Natürlich liegt noch viel Arbeit vor mir. Zwar habe ich den Roman für meine Verhältnisse recht ausführlich durchgeplottet, aber an manchen Stellen ist mir dann doch aufgefallen, dass Alternativen zur vorgezeichneten Handlung möglicherweise besser funktionieren. Da stehen nun noch mehrere Überarbeitungen an, die mich mindestens bis Ende des Jahres beschäftigen werden.

Nun werde ich den Text aber erst einmal ein bisschen ruhen lassen und mich wieder Inge Vill zuwenden. Ein Kurzkrimi und der reguläre vierte Teil sind schon konzipiert, die muss ich „nur“ noch niederschreiben. Und dann habe ich mich mit erstaunlichem Elan in ein ganz neues Projekt gestürzt. So viel sei schon einmal verraten: Es wird sich um eine Reihe historischer Romane handeln, die im 16. Jahrhundert zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Die Fachliteratur zu Kardinal Richelieu, Gustav Adolf von Schweden und den Stuart-Königen stapelt sich bereits auf meinem Schreibtisch. Es bleibt spannend.

Schwabenblut

Bald ist es soweit, am 10. Februar erscheint mein dritter Inge-Vill-Krimi als eBook bei Midnight. Er trägt den Titel „Schwabenblut“. Morgen Abend werde ich das wunderbare Cover enthüllen. Ich bin schon sehr gespannt, wie der Roman  ankommt und werde auch wieder eine Leserunde veranstalten, um mich mit den Lesern austauschen zu können.

Für die anstehende Veröffentlichung habe ich mir  eine kleine Besonderheit überlegt: Ich werde eine Art „Countdown“ veranstalten. Beginnend am 1. Februar werde ich jeden Tag auf meinem Facebook-Account etwas veröffentlichen, was im Zusammenhang mit „Schwabenblut“ steht. Dabei wird es einerseits um die Beziehungen zu den beiden ersten Krimis der Reihe „Die Spur des Jägers“ und „Schwabenmord“ gehen, aber ich werde auch Bücher anderer Autoren vorstellen, die ich während der Schreibphase des neuen Romans gelesen habe. Ob und wie diese Werke die Arbeit an „Schwabenblut“ beeinflusst haben, ist ein spannendes Thema, dem ich mich im Rahmen des „Countdowns“ widmen möchte.

Noch während des „Countdowns“ werde ich mit der Arbeit an meinem neuen Projekt „FS 1900“ beginnen. Es handelt sich dabei um einen in London spielenden Psychothriller und ich freue mich schon sehr darauf, endlich die ersten Wörter des Manuskripts zu tippen. Und vielleicht schaffe ich es dieses Mal, regelmäßiger über meine Fortschritte zu bloggen :-).

Heiligsblechle

Silvester ist ein guter Anlass, um zurückzublicken auf ein Jahr, das für viele von uns so dramatisch, spannend, traurig aber hoffentlich auch freudvoll war wie ein Roman. Für mich persönlich begann 2016 mit einer Lovelybooks-Leserunde zu meinem ersten Krimi „Die Spur des Jägers“. Der Austausch mit den Lesern war eine große Bereicherung für mich und über das ausnahmslos positive Feedback habe ich mich sehr gefreut. Ich konnte auch einige Anregungen aus der Leserunde direkt in die Arbeit an Band 3 einfließen lassen.

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Am 15.1. erschien dann „Schwabenmord“ und bereits kurz nach der Veröffentlichung machte ich mich an die Fortsetzung, die damals noch den Arbeitstitel „Met und Meuchelmord“ trug. Allerdings geschah dann Mitte Februar etwas vollkommen Unerwartetes: Die Muse schaute vorbei und gab mir einen dicken Schmatzer, was mich dazu veranlasste, mich in ein neues Projekt zu stürzen. Bis Ende Juli hatte ich in einem wahren Schreibrausch die Erstfassung eines 1200-seitigen Urban-Fantasy-Romans mit dem Titel „Krauts“ fertiggestellt. Seitdem liegt der erschreckend dicke Papierstapel des Ausdrucks neben mir im Regal und wartet auf seine Überarbeitung. Allerdings wird „Krauts“ sich noch ein wenig gedulden müssen. Da Leonardo da Vinci eine wichtige Rolle in dem Roman spielt, möchte ich ihn gerne erst 2019 veröffentlichen, zum 500. Todesjahr Leonardos. Zudem haben andere Projekte Vorrang.

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Im Mai verbrachte ich eine Woche im Loiretal, dem Schauplatz meines ersten Historienromans „B“., den ich auch gleich an Ort und Stelle in Szene setzte:

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Nachdem ich die Arbeit an „Krauts“ abgeschlossen hatte, machte ich mich daran, „Met und Meuchelmord“ zu beenden. Mitte August konnte ich dann das Manuskript an meine Testleser verschicken. Ich bekam sehr hilfreiche Rückmeldungen, die ich im September einarbeitete. Im Oktober, gleich nach der „Schwabenblut“-Lesung in der Stadtbücherei Senden, schickte ich den Krimi, dessen Titel inzwischen zu „Schwabenblut“ geworden war, an Midnight. Und im Dezember bekam ich dann die wunderbare Nachricht, dass der Verlag das Buch Anfang 2017 veröffentlichen wird.

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Im November begann ich mit der Arbeit an einem neuen Krimiprojekt mit dem Arbeitstitel „Lindenweiherleichen“. Leider zwang mich mein Magen zu einer dreiwöchigen Zwangspause, aber erfreulicherweise konnte ich die Erstfassung gerade noch rechtzeitig fertigstellen, ehe „Schwabenblut“ mit Arbeitsaufträgen aus dem Lektorat zurückkam.

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Wenn ich mir das alles durchlese, stelle ich zu meinem großen Erstaunen fest, dass ich 2016 drei Romane mit insgesamt beinahe einer halben Million Wörtern geschrieben habe. Heiligsblechle, wie der Schwabe sagt :-).

Doch 2016 bestand nicht nur aus Schreiben. Ich machte auch meine ersten Schritte in den sozialen Medien, begann in (leider unregelmäßigen Abständen) zu bloggen, durfte zwei Interviews geben, erstellte eine Homepage und weckte das Interesse von mehr als 300 Menschen, die mir inzwischen bei Twitter folgen. Zudem trat ich den BartBroAuthors bei, einem witzigen und kreativen Verein, in dem sich Autoren, Lektoren, Grafiker und anderweitig Bücherverrückte zusammengeschlossen haben, um bessere, schönere und bewegendere Literatur zu schaffen. Durch die Vernetzung mit meinen bärtigen Autorenfreunden habe ich viel gelesen, viel gelernt, aber auch viel gelacht und so wurden die BartBroAuthors zu meinem literarischen Highlight 2016.

Nun bin ich gespannt, was mir 2017 bringt. Ein erster Fixpunkt wird die Veröffentlichung von „Schwabenblut“ in Februar, der ich schon entgegenfiebere. Wenn ich „Lindenweiherleichen“ den letzten Schliff gegeben habe, werde ich mir überlegen müsse, ob ich den Roman selbst verlege oder ihn einem Verlag anbiete. Danach werde ich mich dann in mein nächstes Projekt stürzen, einen in London spielenden Psychothriller mit dem Arbeitstitel „FS 1900“. Außerdem plane ich einen „Inge-Vill“-Kurzkrimi sowie Band 4 der Reihe. Und schließlich warten auch noch meine historischen Romane auf eine Fortsetzung, F. J. Conrad scharrt schon mit den Hufen. So wie es aussieht, wird es mir wohl nicht langweilig werden.

Liebe Leser, ich wünsche Euch allen ein frohes, gesundes und vor allem friedvolles Jahr 2017. Wir lesen uns!

 

15.000 Wörter

Die ersten sechs Tage des Nanowrimo waren schon einmal recht produktiv. Gerade eben habe ich mit meinem Projekt „Lindenweiherleichen“ die 15.000-Wörter Marke geknackt. Zwar hatte ich mir vorgenommen, an Sonntagen nicht zu schreiben. Aber da ich die letzten Tage meinen Urlaub auch ein wenig genießen wollte, habe ich nicht so auf’s Tempo gedrückt, wie ursprünglich vorgesehen. Trotzdem liege ich zur Zeit voll im Soll.

Meine prognostizierte Schreibgeschwindigkeit von 1500 Wörtern pro Stunde habe ich ebenfalls erreicht, sodass mein Ziel von 18.000 weiteren Wörtern in den kommenden sechs Tagen durchaus realistisch ist. Zwei Stunden abendliches Schreiben sollten auf jeden Fall drin sein, ein willkommener Ausgleich zur Arbeit tagsüber. Der Plot steht und so kann ich einfach weiterschreiben, ohne mir allzu viele Gedanken über die Handlung zu machen. Trotzdem kommen mir auch immer wieder spontane Ideen, die ich gut und in den Schreibfluss einflechten kann.

Die 70.000 Wörter als Monatsziel sind also durchaus realistisch, auch wenn es sein könnte, dass mein Krimi ein wenig kürzer wird, als ursprünglich vorgesehen. Und jetzt werde ich gleich noch ein bisschen weiterschreiben. Ich bin schon gespannt, welchen „Wordcount“ ich kommendes Wochenende vermelden kann.

 

Nanowrimo

Am kommenden Dienstag startet mit Beginn des Monats November der diesjährige nanowrimo. Für alle, die nicht mit dem Konzept vertraut sind: Autoren in aller Herren Länder setzen sich dabei das Ziel, ihr aktuelles Romanprojekt in den 30 Tagen des November um mindestens 50000 Wörter voran zu bringen. Auf www.nanowrimo.org stellen sie ihre Projekte vor und informieren regelmäßig über ihre Schreibfortschritte.

Ich habe bislang noch nie an einem nanowrimo teilgenommen. Im letzten Jahr war ich mit der Korrektur von „Schwabenmord“ beschäftigt und in den Jahren zuvor wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt. Ursprünglich hatte ich auch für dieses Jahr keine Teilnahme eingeplant und wollte mich stattdessen lieber mit dem Ausarbeiten eines neuen Thrillerprojekts beschäftigen, das mir schon länger im Kopf umherspukt. Doch dann kam mal wieder die Muse vorbei und ich konnte nicht verhindern, dass sie mich wild abknutscht.

Vor ziemlich genau zwei Wochen hatte ich eine erste Idee für ein neues Krimiprojekt. Wie meine Inge-Vill-Reihe, ist der Schauplatz Oberschwaben, allerdings habe ich dieses Mal einen real existierenden Ort ausgewählt. Der Krimi spielt in der Umgebung von Biberach/Riss. An einem idyllischen kleinen See, dem Lindenweiher (siehe Foto) werden in einer kalten Winternacht die Leichen zweier Teenager gefunden, sehr zum Unwillen meines Kommissars, der gerade dabei war, sich seine Tourenski für eine Alpenüberquerung anzuschnallen. Doch ein bestimmtes Detail im Zusammenhang mit dem Fall will ihn einfach nicht loslassen. Und so kommt es, wie es kommen muss.

Aus dieser Grundidee habe ich in den letzten Tagen einen kompletten Plot und viele mehr oder weniger sympathische Charaktere für mein Projekt mit dem Arbeitstitel „Lindenweiherleichen“ entworfen. Nun bin ich gerade noch dabei, der Handlung den letzten Feinschliff zu geben und am 1.11. werde ich mich daran machen, die Seiten mit Wörtern zu füllen.

Insgesamt veranschlage ich 75000 Wörter für den Roman. Da ich an Sonntagen nicht schreibe, bleiben mir 26 Tage dafür, sodass ich mit 3000 Wörtern am Tag mein Ziel gut erreichen dürfte. Dafür brauche ich erfahrungsgemäß etwa zwei Stunden täglich. Das ist machbar, allerdings wird mein Netflix-Abo in den nächsten vier Wochen dann wohl deutlich weniger intesiv genutzt werden als zuvor.

Hier und auch auf der nanowrimo-Seite werde ich regelmäßig über meine Fortschritte berichten. Wer mir dort folgen oder mich als writing buddy hinzufügen mag: Ich bin als MatthiasErnstAutor unterwegs. Allen Teilnehmern wünsche ich einen schönen, kreativen und vor allem frustfreien Nanowrimo 2016!

 

Ich bin noch am Leben ;-)

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Blog-Post vom 24. April 2016 datiert. Mein ursprüngliches Ziel, an dieser Stelle meinen Schreibprozess zu begleiten, scheine ich somit eindeutig verfehlt zu haben. Die Zeit seit April habe ich nämlich vorrangig mit Schreiben verbracht.

Ich gelobe jedoch Besserung. Ab sofort werde ich wieder in wöchentlichen Abständen über die Fortschritte meiner Bücher berichten. Und berichten kann ich eine ganze Menge. Zunächst erscheint es mir aber sinnvoll, einen Überblick über meine aktuellen Schreibprojekt und deren Stand zu geben. Hier hat sich nämlich seit April einiges getan.

Beginnen möchte ich einmal mit meinem neuen Krimi. Ich habe Die Arbeit am dritten Teil meiner Inge-Vill-Serie mit dem schlichten Arbeitstitel „Inge 3“ im Januar begonnen, dann für drei Monate zur Seite gelegt und im Juni die Erstfassung des Manuskripts beendet. In den letzten Tagen habe ich mir diese Rohfassung noch einmal vorgenommen und dabei erfreut festgestellt, dass ich deutlich weniger zu überarbeiten haben  werde, als ich ursprünglich befürchtet hatte. Der Kriminalfall funktioniert ganz gut. Es gibt einige Plotholes zu füllen und eine Szene muss ich neu hinzufügen, aber die Arbeit mit den mir nun schon lieb gewordenen Charakteren hat einmal mehr sehr viel Spaß gemacht. In den kommenden beiden Wochen werde ich nun die Feinarbeiten erledigen und die Zweitfassung des Manuskripts dann an meine Testleser ausgeben, auf deren Feedback ich schon sehr gespannt bin.

Ursprünglich sollte dieser dritte Teil meiner Krimiserie eine Rahmenhandlung bekommen, die in der Vergangenheit spielt, genauer gesagt im Jahr 1525 zur Zeit des Bauernkrieges. Als ich mir das Manuskript in den letzten Tagen noch einmal vorgenommen habe, habe ich jedoch festgestellt, dass ich diese Geschichte stiefmütterlich behandeln würde, wenn ich ihr nur einen Nebenrang als notwendigerweise dürre Rahmenhandlung zuweisen würde. Daher habe ich beschlossen, die Geschichte um den „Knittriger Gnadenkelch“ in eine Novelle umzuarbeiten. Hierfür muss ich noch ein wenig recherchieren, insbesondere zu den Bauern und ihren in den berühmten zwölf Artikeln niedergelegten Forderungen. Dies ist insofern spannend, als sich in der Gegend lebe, in der diese dramatischen Vorgänge real stattgefunden haben. Die zwölf Artikel wurden in Memmingen verfasst und Baltringen, in dem sich der berühmte Haufen bildete, liegt nur etwa 20 km von einem Wohnort entfernt. Das fertige Manuskript sollte etwa 80-100 Seiten umfassen. Es wird im Stil einer klassischen Novelle aufgebaut sein inklusive Dingsymbol, in diesem Fall der oben erwähnte „Gnadenkelch“.

Den bisher größten Teil des Jahres habe ich mit der Arbeit an meinem Urban-Fantasy-Projekt „Krauts“ verbracht. Die Erstfassung hat einen Umfang von 280.000 Wörtern, was etwa 900-950 Druckseiten entspricht. Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt und während des Schreibens hatte ich als Orientierungspunkte nur die jeweiligen Zwischenergebnisse, die am Ende eines jeden Kapitels erreicht wurden. Durch dieses Vorgehen ist die Geschichte sehr frei, aber keineswegs wild gewachsen. Die Überarbeitung wird trotzdem einige Zeit in Anspruch nehmen und ich habe beschlossen, das Manuskript erst einmal ein Jahr lang liegen zu lassen und mich stattdessen anderen Projekten zuzuwenden. Das liegt zum einen daran, dass ich Lust habe, etwas anderes zu schreiben, zum anderen aber auch daran, dass ich hoffe objektiver an dieses Mammutmanuskript herangehen zu können, wenn ich etwas zeitlichen Abstand gewonnen habe.

Das nächste größere Projekt, dem ich mich widmen werde, ist ein Thriller, der in London spielen wird und dessen Hauptfigur ein Psychotherapeut ist, der in unerwartete Schwierigkeiten gerät. Ich werde beim Schreiben ganz anders vorgehen als bei „Krauts“. Dieses Mal werde ich die Handlung komplett im Voraus konstruieren und dann anhand des Plotgerüsts die Szenen mit Leben füllen. Im Fall eines Thrillers erscheint mir das angemessener als bei „Krauts“. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht verraten.

Ursprünglich hatte ich geplant, Anfang August eine kleine Recherchenreise nach Prag zu unternehmen, um dort Nachforschungen für den dritten Teil meiner historischen Romanreihe anzustellen. Leider hat mir eine fiese Sommergrippe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem werde ich Anfang nächsten Jahres mit den Arbeiten an Teil drei der „Opposita concidentia“ beginnen. Ich bin schon gespannt, wie gut ich mich dann wieder in diese Welt hinein denken und hinein leben können werde.

Zu guter Letzt plane ich ebenfalls für 2017 einen Kurzkrimi, in dem meine Kommissarin Inge Vill eine kleine Reise antreten und dort beinahe ei ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis verpassen wird. Und auch für den regulären vierten Band der Krimiserie gibt es schon sehr konkrete Überlegungen.

Ich hoffe, dass ich kein Projekt vergessen habe. Bei der Menge an Vorhaben, könnte ich schon einmal den Überblick verlieren :-). Wenn ich mir durchlese, was ich alles geplant habe, stelle ich erleichtert fest, dass mir die Ideen bisher jedenfalls noch nicht ausgegangen sind und ich hoffe auch, dass sich das so fortsetzen wird.

 

Lebenszeichen

Ich habe in letzter Zeit wenig von mir hören lassen. Zumindest auf diesem Kanal, bei Twitter war ich deutlich aktiver, aber dazu werde ich zum Stichwort #BartBroAuthors ein anderes Mal etwas schreiben. Für meine Schweigsamkeit gibt es einen sehr erfreulichen Grund: Ich habe mir in den vergangenen Wochen die Finger an meinem neuen Projekt wund geschrieben.

„Krauts“, mein Urban-Fantasy-Roman, ist inzwischen auf stolze 450 Seiten angewachsen – und ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Allerdings bin ich auch nicht mehr allzu weit von der Halbzeit entfernt. Im Gegensatz zu meinen Krimis, bei denen ich den gesamten Plot im Voraus festgelegt und dann den Text ohne größere Abweichungen geschrieben habe, gehe ich dieses Mal anders vor.

„Krauts“ besteht aus 12 Kapiteln. In jedem der Kapitel gibt es ein Unterkapitel für jeden der 12 Point-Of-View-Charaktere. Festgelegt habe ich nur die Handlungspunkte am Ende jedes Kapitels. Die Geschichte innerhalb der Kapitel entwickle ich mehr oder weniger  frei auf diese Zielpunkte hin. Das macht zum einen sehr viel Spaß, zum anderen ergeben sich dadurch auch viele Verknüpfungen und Perspektiven, die ich beim groben Planen der Handlung noch nicht kannte.

Vor dem Überarbeiten des fertigen Manuskripts graust es mir jedoch schon ein wenig. Bedingt durch die Arbeitsweise gibt es viele Inkonsistenzen und logische Fehler in der Handlung und auch die Charaktere werden an einigen Stellen sich widersprechende Persönlichkeitszüge aufweisen. Erfreulicherweise muss mir darüber jedoch (noch) keine Sorgen machen.

Aktuell stehen noch 5 Unterkapitel des 6. Kapitels bis zur Halbzeit aus. Ich habe meinen Projektplan so gestaltet, dass ich das Manuskript dann erst einmal bis Ende Juni liegen lassen und mich anderen Dingen zuwenden werde. Zu allererst ist da einmal die Kurzgeschichte zu nennen, die ich für den „Forever“-Wettbewerb mit Nele Neuhaus einreichen werde. Sie  trägt den Titel „Cleopatra“, liegt in einer ersten Version von 12 Seiten bereits vor und benötigt nun noch etwas Feinschliff. Nach einer Woche Urlaub an der Loire, wo ich einige Schauplätze meines ersten Romans „B“ noch einmal besuchen werde, werde ich dann meinen 3. Inge-Vill-Krimi beenden. Das sollte bis Ende Juni gelingen. Ende August sollte „Krauts“ in einer ersten Rohfassung vorliegen. Dann werde ich mich einem schon längere Zeit geplanten Inge-Vill-Kurzkrimi widmen.

Ab Oktober sollte ich nur noch mit Überarbeiten beschäftigt sein. Die Arbeiten an „Krauts“ werden sich sicher bis weit ins nächste Jahr ziehen, aber gut Ding will eben Weile haben. Ganz bestimmt werde ich 2017 aber mit den Arbeiten an „W“, dem 3. Teil der „Opposita Concidentia“ beginnen. Das Projekt liegt schon viel zu lange auf Eis und F. J. Conrad scharrt schon ungeduldig mit den Hufen.

Es gibt also viel zu tun. Aber das ist ja nichts Neues :-).

 

Leitmotive

Ich höre beim Schreiben keine Musik. Wenn ich mich mit meinem Laptop in mein stilles Kämmerlein zurückziehe, dann ist es dort tatsächlich still. Die Wörter fließen am besten aus meinem Kopf in meine Finger, wenn es nichts gibt, das mich ablenken könnte. Das soll nicht heißen, dass ich keine Musik mag oder dass Musik nichts zum Entstehen meiner Bücher beitragen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich nicht gerade schreibe, höre ich viel Musik und die komplexen Stimmungen, die Musik auf so unnachahmliche transportieren kann, versuche ich auch so gut wie möglich in meinen Charakteren nachklingen zu lassen.

In meinem neuen Projekt „Krauts“ erzähle ich die Handlung aus den Blickwinkeln von zwölf Carakteren, vier dunkelgrauen und acht hellgrauen. Für jeden dieser Protagonisten habe ich Anfangs einen Song oder ein Musikstück gewählt, das zu dessen Persönlichkeit passen könnte. Aus meinen Ideen und der Stimmung dieser Musikstücke, versuche ich nun beim Schreiben die Caraktere zu entfalten und zu differenzieren. Über die Handlung und die handelnden Personen will ich noch nicht zu viel verraten, aber die zwölf „Songs“, die ich als Leitmotive verwende, teile ich gerne schon einmal – hier sind sie:

Frank Zappa – Bobby Brown (goes down)

Placebo – Teenage Angst

Muse – Bliss

Smashing Pumpkins – Porcelina of the vast oceans

Schubert – Sinfonie in h-moll, 1. Satz „Allegro moderato“

Nirvana – All Apologies

David Bowie – Heroes

Farin Urlaub – Petze

Rammstein – Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?

Queen – I want it all

Depeche Mode – Walking in my shoes

Alannis Morisette – You oughta know

 

Sollte aus dieser Liste eine gewisse Vorliebe für das Genre des Alternative Rock hervorscheinen, ist das voll und ganz beabsichtigt: Ich mag keinen Mainstream mehr :-). Deshalb bevorzuge ich auch die Schubert-Einspielung von Carlos Kleiber und den Wiener Philharmonikern.