Eine Detektivgeschichte

Die vergangene Woche über war ich wieder mit der Überarbeitung meines Psychothrillers zugange. Ich habe jetzt zwei Drittel des Manuskripts in eine annehmbare Form gebracht. Nun werde ich erst aber einmal pausieren. Der Grund dafür ist nicht in mangelnder Motivation oder in Überdruss zu suchen, sondern in einem kleinen Nebenprojekt, dem ich mehr Zeit widmen möchte, als ursprünglich angedacht.

Nachdem ich im vergangenen Jahr schon einmal eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlichen konnte, möchte ich dieses Jahr erneut an einer Ausschreibung teilnehmen. Dieses Mal schwebt mir allerdings keine mittelalterliche Horrorgeschichte vor, sondern ein Kurzkrimi im Stil viktorianischer Detektivgeschichten. Ich habe neulich eine Sammlung von Krimistories aus dieser Zeit bei meinen Eltern entdeckt (s. Beitragsbild). Zwar sind sie m.E. keine echte Konkurrenz für Sherlock Holmes, aber unterhaltsam und spannend sind sie dennoch.

Die nächsten Wochen werde ich mit dem Plotten und dem Schreiben der Kurzgeschichte verbringen und darauf freue ich mich schon sehr. Es ist eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, einen Mord inklusive Aufklärung auf 8.000 Wörter zusammen zu dampfen, wo ich doch bislang immer mindestens 75.000 Wörter zur Verfügung hatte. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es mir gelingen wird, aber hey, wozu sind Herausforderungen da, wenn man sie nicht annimmt.

Insofern werden sich meine nächsten Beiträge wohl mit der Lust oder dem Frust an viktorianischen Detektivgeschichte beschäftigen. Ich hoffe ja auf ersteres, aber wir werden sehen.

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Ein Anwalt aus dem Nichts

In der vergangenen Woche konnte ich bei der Überarbeitung meines Psychothriller-Manuskripts Bergfest feiern. Yippieh! Der Flickenteppich aus bereits fertigen Textteilen, Stellen, die ich umschreiben muss, und komplett neuen Kapiteln nimmt so langsam Gestalt an und diese Gestalt gefällt mir viel besser als die Erstfassung.

Bei einem besonders wichtigen Kapitel musste ich nicht nur die Handlung anpassen, sondern auch eine neue Figur einfügen. Mein Protagonist John ist in dieser Szene scheinbar am Ende. Er sitzt infolge der Ränkespiele seiner Gegner in Untersuchungshaft. Der Anwalt, der kurzfristig für John organisiert wird, ist nun die besagte neue Figur. Und um der Katastrophe das i-Tüpfelchen aufzusetzen, ist das der erste richtige Fall des jungen Anwalts. John, von Haus aus Psychotherapeut, sieht sich also nun in der seltsamen Lage, den aufgeregten Juristen beruhigen zu müssen, während seine eigene Existenz auf der Kippe steht.

Diese Szene bereitet das Eingreifen eines wesentlich kompetenteren Verbündeten meines Protagonisten vor und hat vor allem zwei Funktionen. Zum einen möchte ich noch einmal Johns Grundkonflikt zeigen: er muss sich immer um andere kümmern und dafür eigene Bedürfnisse zurückstellen. Zum anderen möchte ich die Fähigkeiten des letztendlichen Retters durch den Kontrast mit dem unerfahrenen Anwalt noch deutlicher herausstellen. Beides funktioniert nun wesentlich besser als zuvor und deshalb hat es sich auch gelohnt, die neue Figur einzuführen, auch wenn sie nur einen Kurzauftritt hat. Ich neige allerdings dazu, einmal entworfene Figuren in anderen Projekten zu recyceln, insofern könnte es durchaus sein, dass der junge Anwalt noch einmal unter eigenem oder anderem Namen in einer meiner Geschichten auftauchen wird.

Bei den nächsten Überarbeitungsschritten werde ich meine Figuren auf einen Ausflug nach Cambridge begleiten. Als ich das heutige Beitragsfoto dort 2012 aufgenommen habe, war es Anfang November und bitterkalt. Mein Psychothriller spielt dagegen im Hochsommer und ich freue mich schon sehr darauf, die altehrwürdige Universitätsstadt bei besserem Wetter erneut zu besuchen.

 

Lang, kurz, lang

In der vergangenen Woche habe ich 14 Kapitel meines Psychothriller-Manuskripts überarbeitet. Es geht also gut voran. Gut die Hälfte dieser Kapitel musste ich komplett neu schreiben, fünf konnte ich mit kleineren Veränderungen so behalten, wie sie waren und bei drei weiteren waren größere Restaurationsarbeiten notwendig.

Insbesondere bei den neu geschriebenen Kapiteln ergaben sich auch deutliche Abweichungen von der durchschnittlichen Kapitellänge. Im Erstentwurf waren – bis auf wenige Ausnahmen – meine 66 Kapitel zwischen 1600 und 1800 Wörter lang bei einer Gesamtwörterzahl von knapp über 120.000. In die Überarbeitung haben sich nun einige Kapitel eingeschlichen, die nur wenig über 1000 Wörter Umfang haben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem stark durchgetakteten Schreibplan meine Schreibziele schneller und konsequenter erreiche, als wenn ich einfach drauflos schreibe. Deshalb war die Kapitellänge in der Erstfassung des Manuskripts schlichtweg dadurch vorgegeben, was ich in einer Stunde an „Masse“ schreiben konnte. Das war die mir täglich zur Verfügung stehende Schreibzeit und mein Ziel war es, ein Kapitel pro Tag zu schreiben, an Wochenenden oder im Urlaub auch einmal zwei pro Tag.

Als Nebeneffekt führt dieses Vorgehen bei mir zu ziemlich konstanten Kapitellängen, von denen ich aus unterschiedlichen Gründen ein großer Fan bin. Die Schreibdilettanten haben in ihrem Podcast von letzter Woche die Vorteile ähnlich langer Kapitel sehr gut dargestellt, deshalb verzichte ich hier, auf eine erneute Auflistung der Pro-Argumente :-).

Was bei mir nun dazu geführt hat, dass manche Kapitel deutlich kürzer geworden sind als der Durchschnitt, war vor allem, dass ich mit drei Perspektivfiguren arbeite und dass gerade bei den spannenderen Stellen ein schnellerer Wechsel zwischen den Perspektiven das Tempo erhöht und mehr kleine Cliffhanger ermöglicht. Mit dem etwas hektischeren Rhythmus der dadurch entstanden ist, bin ich jetzt sehr zufrieden.

Abgerechnet wird aber natürlich erst ganz am Schluss, denn wieviel von den längeren Kapiteln nach dem nächsten Überarbeitungsschritt noch übrig bleibt, werden wir sehen.

Aus 2 mach 1

Die Überarbeitung meines Thrillermanuskripts hat in der vergangenen Woche kräftig an Fahrt aufgenommen. Ich hatte ein paar Tage Urlaub und immer wenn meine beiden Jungs gerade mal beschäftigt waren, habe ich mich dem Text gewidmet. Das Beitragsbild oben habe ich in einem Café aufgenommen, als die Kurzen gerade bei einem Inlinerkurs waren und ich luxuriöse eineinhalb Stunden Zeit hatte.

Die erste Rohfassung, die ich Mitte 2017 geschrieben habe, nutze ich als Gerüst, um den Plot zu verdichten. Ein Thriller lebt von einer gewissen Atemlosigkeit, die Spannung sollte die meiste Zeit über auf einer ziemlich hohen Temperatur kochen und in den wenigen Atempausen nicht allzu sehr abkühlen. Das leistet die Erstfassung bislang nicht durchgängig. Allerdings bietet sie eine sehr gute Grundlage, um durch gezielte Veränderungen, Kürzungen und auch neue Textstellen aus einem teilweise spannenden Text einen richtigen Psychothriller zu machen.

Für mich ist aber der Plot nicht das wichtigste Element in einem Thriller. Vielleicht liegt es an meinem Psychologenjob, aber am meisten interessieren mich die handelnden Figuren, ihre Herkunft, ihre Motive und ihre Entwicklung. Ich habe bislang in meinen Krimis die Erfahrung gemacht, dass sich die Handlung beinahe von alleine ergibt, wenn die Charaktere umfassend und lebensecht ausgearbeitet sind. Wenn man sie dann aufeinander loslässt, ergeben sich automatisch interessante Konfliktlagen, die Handlungen erfordern. Und dann geschieht etwas, was im Idealfall mit ein wenig Feinschliff ein spannender Plot werden kann.

In der vergangenen Woche habe ich auch ein bisschen an meinen Figuren gearbeitet. Dabei habe ich zwei bislang getrennte Charaktere zu einem verschmolzen und zwar einen Mentor einer Hauptfigur mit einem ihrer Gegenspieler. Ich hoffe, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen spare ich Text ein. Zwei Charaktere brauchen mehr Platz im Buch als einer. Zum anderen wird die aus dieser Synthese resultierende Figur um einiges vielschichtiger. Ich mag es, wenn ein Antagonist aus Licht und Schatten besteht, wenn beide Anteile miteinander ringen und dadurch auch nicht klar wird, wie er letztendlich handeln wird. Wird der Mentorenanteil die Oberhand gewinnen? Oder der Schurke?

Die Umarbeitung der bisherigen Szenen mit den beiden alten Figuren wird zwar nun einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich bin zuversichtlich, dass es sich lohnen wird. Ich werde euch diesbezüglich auf dem Laufenden halten ;-).

Ich bin noch am Leben

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Beitrag vom Juli 2017 stammt. Herrje, dabei hatte ich mir doch vorgenommen, regelmäßiger über meinen Schreibprozess zu berichten. Doch irgendwie ist das gründlich schief gelaufen.

Als Entschuldigung könnte ich anführen, dass sich bei mir viel verändert hat. Seit Anfang des Jahres habe ich einen neuen Job, der mir durch die noch fehlende Routine viel Konzentration und Kraft abverlangt. Auch im Privaten war 2017 ein eher turbulentes Jahr. Im November hat mich dann noch eine schwere Erkältung niedergeworfen, sodass ich mein NaNoWrimo-Projekt zur Halbzeit einstellen musste.

Diese drei Wochen, in denen ich mehr oder weniger ans Bett gefesselt war, habe ich jedoch genutzt, um ein wenig Ordnung in meine Schreibprojekte zu bringen. In meinem Projektordner auf dem PC befinden sich aktuell elf Schreibvorhaben in unterschiedlichen Stufen der Vollendung. Neben einem beinahe fertigen Inge-Vill-Kurzkrimi und dem halbfertigen Manuskript des vierten Teils sind dies drei historische Romanprojekte in unterschiedlichen Reifegraden, ein Regiokrimi, der schon länger bei einem Verlag zur Begutachtung liegt, ein epischer Fantasyroman, bei dem ich seit Jahren schon mit dem Worldbuliding beschäftigt bin, ein vollkommen aus den Fugen geratenes, 1200seitiges Urban-Fantasy-Manuskript (das passiert, wenn man rein entdeckend schreibt), dann ein Projekt, von dem ich bislang nur den Titel kenne, aber noch keine Ahnung habe, ob es einmal eine Kurzgeschichte oder ein Roman oder vielleicht auch nur ein Sonett wird, eine Idee für einen Thriller und die Erstfassung eines Psychothrillers.

Dass meine digitale Projekteschublade etwas chaotisch aussieht, dürfte daher wohl nachvollziehbar sein. Um dies Chaos zu ordnen, habe ich eine Prioritätenliste erstellt, die ich nun abzuarbeiten gedenke. Ganz oben findet sich dort der letztgenannte Psychothriller gefolgt von den neuen Inge-Vill-Projekten. Um nun bei der Stange zu bleiben, möchte ich einen erneuten Anlauf starten, meinen Schreib- und Überarbeitungsprozess mit kleinen Beiträgen zu begleiten. Voilà:

Aktuell habe ich schon mit der Überarbeitung des Psychothriller-Manuskripts begonnen. Dabei war mir die neue Version des Schreibprogramms „Papyrus Author“ eine wichtige Hilfe. Ich habe die Plotstruktur des Romans über den Organizer und die Timeline dargestellt und dabei einige Inkonsistenzen entdeckt und ausgemerzt. Dann habe ich das ganze Manuskript noch einmal gegen den Strich gebürstet, alle Charaktere und ihre Handlungen auf den Prüfstand gestellt und schließlich noch einmal einiges verändert und neu konzipiert. Das hat dazu geführt, dass ich etwa ein Drittel des Romans neu und ein weiteres Drittel umschreiben muss, aber das ist vollkommen in Ordnung. Das neue Konzept gefällt mir nämlich sehr gut.

Diese zweite Rohfassung möchte ich bis Ostern erstellt haben. Bis Pfingsten hoffe ich dann, dem Manuskript den Feinschliff zu geben, sodass ich es Testlesern anvertrauen kann. Und ab Juni werde ich mich dann verstärkt wieder meiner lieben Inge Vill zuwenden.

So ist jedenfalls einmal der Plan, ob das alles auch so klappt, werde ich dann ja regelmäßig hier berichten :-).

P.S.: Die Kirche im Beitragsbild ist übrigens die Basilika in Ottobeuren. Dort in der Nähe befindet sich neben meiner neue Arbeitsstelle auch der Geburtsort von Sebastian Kneipp. Dass ich meine Terminplanung nach kirchlichen Feiertagen ausrichte liegt allerdings weniger an diesem klerikalen Einfluss sondern vielmehr an meinen zu diesem Zeiten stattfindenden Urlaubswochen, die sich als natürliche Zeitmarken anbieten.

I’m a winner :-)

Mit nicht geringem Erschrecken habe ich heute morgen festgestellt, dass der Juli sich nun auch schon wieder dem Ende zuneigt. Dann ist mir eingefallen, dass ich ja am Campnanowrimo teilnehme. Also habe ich rasch meine Statistiken aktualisiert und mir mein Gewinnerbild abgeholt.

Ich kann nun also stolz verkünden, dass ich 18110 Wörter neu geschrieben und 5237 Wörter in eine finale Form gegossen habe. Juhu :-). Damit habe ich mein selbstgestecktes Ziel von 20000 Wörtern klar erreicht.

Bei dem neu entstandenen Manuskript handelt es sich um die Erstfassung meines in London spielenden Inge-Vill-Kurzkrimis. Dieses Lebenszeichen meiner umtriebigen Kommissarin möchte ich gerne noch dieses Jahr veröffentlichen, wenn ich es zeitlich unterbringe.

Die final überarbeitete Kurzgeschichte (wobei 5200 Wörter nicht unbedingt kurz sind) ist mein Beitrag zu der Ausschreibung des Burgenwelt-Verlages „Auf düsteren Pfaden. Horrorgeschichten aus dem Mittelalter“. Sowohl Genre als auch historischer Hintergrund sind Neuland für mich und deswegen habe ich mich sehr darüber gefreut, dass meine kleine Story ausgewählt wurde. Vorgestern kam sie aus dem Lektorat zurück und eben habe ich die überarbeitete Version losgeschickt. Im Dezember wird die Anthologie erscheinen und dann werde ich auch noch ein bisschen mehr über den Text verraten.

Aktuell stecke ich jedoch bis zum Hals in der Überarbeitung meines Thrillermanuskripts und versuche, die vielen Ideen, die ich beim Lesen der Erstfassung hatte, irgendwie zu integrieren. Erfreulicherweise fand ich vieles von dem, was ich da geschrieben hatte, ziemlich gut – ganz anders als während des Schreibens, als ich mehr als einmal daran gezweifelt habe, ob ich da irgendetwas Verwertbares produziere.

Ab nächste Woche werde ich dann meine kleine Blogreihe über die Arbeit an meinem historischen Romanprojekt fortsetzen. Ich habe mir ein paar Gedanken zum Thema „Genauigkeit und Chronologie bei historischen Romanen“ gemacht, die ich gerne teilen möchte.

 

 

Kleines Update

Nach einer Woche habe ich bereits mehr als die Hälfte meines Camp-Nanowrimo-Ziels geschafft. Mein Inge-Vill Kurzkrimi umfasst bereits 11.000 von angepeilten 20.000 Wörtern. Allerdings habe ich die finale Wörterzahl wohl ein bisschen überschätzt, die Erstfassung wird wohl etwa 17.000 Wörter stark sein. Die zu meinem Monatsziel fehlenden 3.000 Wörter rechne ich dann einfach über die anstehenden Korrekturen und Umarbeitungen an.

Wie immer halte ich mich nicht groß auf, sondern hacke meine Ideen so rasch wie möglich in mein Schreibprogramm, um das Manuskript fertigzustellen. Für mich hat sich das Vorgehen bewährt, eine komplett vorliegende Erstfassung zu überarbeiten und nicht schon beim ersten Schreibdurchgang an Handlung, Figuren oder Setting herumzudoktern. Dieses Mal fühlt sich die Rohfassung des Kurzkrimis aber noch ziemlich roh an. Da wird noch einige Arbeit auf mich zukommen.

Nichtsdestotrotz genieße ich es, wieder in Inge Vill Welt eingetaucht zu sein. Ich mag sie sehr und habe gern an ihrem Leben teil, auch wenn ich natürlich manchmal ziemlich fies bin und ihr große Steine in den Weg lege. So auch bei ihrem London-Trip. Was als nettes Wochenende mit Besuch der letzten Monty-Python-Show und Shoppingtour mit der kleinen Schwester geplant war, entwickelt sich unter meinen Fingern gerade zusehends zu einem Albtraum. Ich bin mal gespannt, ob Inge rechtzeitig um 20 Uhr Ortszeit ihren Platz im Londoner O2 einnehmen kann…

Mein Beitragsbild stellt heute einen Schauplatz des Kurzkrimis dar. Die Tower Bridge ist natürlich ein Klischee, aber ich konnte nicht anders, als sie einzubauen.

 

Inge Vill 3,5

Heute gibt es mal kein ausführliches Update zur Recherche für mein historisches Romanprojekt. Ich kämpfe mich gerade durch ein Buch über die Jugend Ludwigs XIII. Die Autorin hat einen psychoanalytischen Ansatz gewählt und deswegen werde ich immer wieder von unkontrollierten Lachanfällen geschüttelt, wenn die Deutungen zu abstrus werden. Sobald ich mit dem Buch durch bin, werde ich mich darüber ausführlich auslassen, versprochen.

Neben der Recherche werde im Juli aber endlich auch wieder zum Schreiben kommen. Ehe ich meinen nächsten Inge-Vill-Krimi angehe, möchte ich die Lücke zwischen Teil 3 und 4 der Reihe mit einem maximal 100seitigen Kurzkrimi schließen. Die Leser von „Schwabenblut“ werden sich vielleicht daran erinnern, dass Inge am Schluss des Romans eine Einladung zu einer der Reunion-Shows von Monty Python im Juli 2014 erhält. In dem mit dem Arbeitstitel „Inge Vill 3,5“ überschriebenen Kurzkrimi wird es nun um den 20. Juli 2017 gehen, den Tag an dem Inge nach London reist.

Leider läuft nicht alles so glatt wie geplant. Inges Begleiter unterläuft ein kleiner, aber verhängnisvoller Fehler, der eine unvorhersehbare Welle von Ereignissen in Gang setzt. Inge muss all ihren Grips aufbieten, um den daraus resultierenden Kriminalfall zu lösen und dann noch rechtzeitig zum Beginn der Show in der O2-Arena zu sein. Ob ihr das gelingen wird?

„Inge Voll 3,5“ ist mein diesjähriges Camp Nanowrimo – Projekt. Ich teile mir eine Cabin mit ein paar anderen BartBroAuthors und bin schon sehr gespannt, ob wir unsere Ziele erreichen. Meines ist allerdings mit 20000 Wörtern recht niedrig gesteckt.

Idealerweise stimmt mich „Inge Vill 3,5“ dann wieder auf den regulären 4. Band der Reihe ein. Ich habe schon einen ziemlich komplexen Kriminalfall in Planung, der Inge einiges an Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Aber zuvor verlebt sie noch einen turbulenten Tag in Prä-Brexit London und ich freue mich sehr darauf, sie durch diese wunderbare Stadt zu begleiten.

Schema W oder „Die frem(delnd)e Königin“

In den vergangenen beiden Wochen habe ich „Die fremde Königin“ von Rebecca Gablé gelesen. Schon während der Lektüre (bzw. dem Hören, denn ich habe das von Detlef Bierstedt gesprochene Hörbuch konsumiert), war mir klar, dass ich ein paar Zeilen darüber schreiben will. Das hier ist nun keine Rezension im klassischen Sinne. Vielmehr möchte ich einige Aspekte besonders herausgreifen, die mich beim Lesen des Buches sehr beschäftigt haben: Plot, Perspektivfiguren und Erzähler.

Vorausschicken muss ich, dass ich ein großer Fan der ersten Waringham-Romane von Rebecca Gablé bin. Zusammen mit „Harry Potter“ haben mich diese Bücher wieder zum Lesen zurückgewonnen. Insbesondere „Der König der purpurnen Stadt“ und die ersten drei Teile der Waringham-Saga habe ich regelrecht verschlungen. Sie sind gut recherchiert, spannend und mit einer Fülle einprägsamer Charaktere bevölkert, die zum Mitfiebern anregen.

Die beiden letzten Bände der Reihe fand ich nicht mehr so gelungen. Das lag zum einen daran, dass es intensivere Romane über die Tudor-Zeit gibt (z.B. von Sansom, Mantel oder Parris). Zum anderen ist aber m. E. auch etwas deutlich geworden, das ich einmal „Schema W“ nenne möchte, wobei das „W“ für „Waringham“ steht. Die Grundstruktur dieser Romane, die Plotlinien, die Konflikte der Charaktere sind nämlich im Grunde genommen immer die gleichen. Es geht um Generationenkonflikte innerhalb einer Adelsfamilie, die mit den Herrschenden der Zeit enge Verbindungen pflegen. In den ersten Bänden war dies wie gesagt noch spannend, in den letzten beiden waren mir die Charaktere und ihre Motive nicht mehr eigenständig genug. Ich hatte das Gefühl, alles schon einmal gelesen zu haben.

Deswegen war ich auch sehr erfreut darüber, dass sich Rebecca Gablé inzwischen einer neuen Epoche zugewandt hat, dem Zeitalter der Ottonen. In „Das Haupt der Welt“ erleben wir die ersten Regierungsjahre Ottos I. aus der Sicht des Slawen Tugomir. Ich fand den Roman ziemlich gelungen, die Figur des hinkenden Heilers Tugomir war mir jedoch ein wenig zu sehr an den damals noch sehr populären „Dr. House“ angelehnt.

Nun ist mit „Die fremde Königin“ ein zweiter Teil dieser Reihe erschienen. Und leider hat mich dieser so gar nicht begeistern können. Schon während des Hörens war ich mehrmals nahe daran, das Buch abzubrechen, einmal aufgrund einer m.E. ziemlich furchtbaren Erotikszene („Er pflügte in sie hinein“ – Hallo gehts noch?), die anderen Male aber, weil ich sowohl mit dem Plot als auch mit den Perspektivfiguren meine Probleme hatte.

„Die fremde Königin“ wird aus der Sicht von drei Charakteren erzählt: Königin Adelheid, Luidolf (Ottos Sohn) und Gaidemar, ein Bastard. Während die ersten beiden historische Figuren sind, ist der letztere fiktiv. Schon die Wahl der Königin und des Königssohnes als Perspektivfiguren hat aus meiner Sicht negative Auswirkungen auf die Gestaltung der Handlung. Schicksal und Handlungen einer historischen Figur sind zu beinahe 100 Prozent festgelegt. Und so ist dann der Roman auch leider nur eine vorhersehbare Parade von bekannten Ereignissen von Adelheids Flucht über Luidolfs Rebellion zur Lechfeldschlacht und schließlich zu Ottos Italienfeldzug. Der Plot ist von vornherein determiniert, es gibt keine Überraschungen.

Ein Großteil der Handlung spielt sich direkt in der Königsfamilie ab. Und zwar nach Schema W. Ich hatte ganz oft den Eindruck, einen Waringham-Roman zu lesen. Luidolf ist als ein klassischer Waringham-Rebell angelegt, seine Schwiegermutter entspricht ebenfalls dem Frauentyp dieser Werke. Auch die Geistlichkeit könnte mit wenigen Änderungen in „Das Lächeln der Fortuna“ vorkommen. Was jedoch in der ursprünglichen Reihe funktioniert, stößt hier an Grenzen. Die Waringhams sind eine fiktive Familie. Ihre Schicksale, Gedanken, Worten und Taten waren relativ frei gestaltbar. Die Ottonen waren real. Und hier funktioniert Schema W einfach nicht mehr.

Man kann reale Figuren zu Protagonisten historischer Romane machen. Das haben sowohl Hilary Mantel als auch Alexandre Dumas meisterhaft bewiesen. Zwar sind Dumas Figuren eher Kinder seiner eigenen Zeit, doch durch das Stilmittel der romantischen Ironie schafft der Erzähler die notwendige Distanz und macht aus einem reinen historischen Bericht ein literarisches Werk, z.B. in „La reine Margot“. Dass er auch anders kann, zeigt er v.a. in „Die drei Musketiere“. Dort setzt er historische Figuren nur sehr sparsam ein, wirklich einprägsam sind die fiktiven Figuren.

Hilary Mantel arbeitet noch wesentlich kunstvoller. Die psychologische Durchdringung ihrer Figuren ist m.E. beispiellos. Zudem arbeitet sie mit verschiedenen Zeitebenen und setzt ganz viel (teils recht sarkastische) Ironie ein. Bei Rebecca Gablé fehlt diese Distanz zwischen Erzähler und Figuren. Wir bekommen ohne viel Beiwerk die Taten und Gedanken der Protagonisten serviert. Bei den Waringham Romanen funktioniert das gut, weil wir dadurch unmittelbar in die mittelalterliche Welt eintauchen. Bei den Otto-Romanen scheitert dieses Vorgehen m.E. völlig. Sowohl Luidolf als auch Adelheid bleiben blass und austauschbar und noch schlimmer: vorhersehbar.

Leider kann auch Gaidemar nichts mehr an diesem Eindruck ändern. Er ist zwar fiktiv, erinnert aber so sehr an das schwarze Schaf nach Schema W, dass auch sein eng an die Herrscherfamilie geknüpftes Schicksal mich nicht mehr packen konnte. Zudem ist er m.E. einer der unsympathischsten Charaktere im Werk von Rebecca Gablé.

Das alles führt auch dazu, dass bei mir nie das Gefühl aufkam, in die spezifische Epoche des 10. Jahrhunderts einzutauchen. Wenn man die Namen und historische Details ändern würde, könnte der Roman auch im späteren Mittelalter spielen. Und das habe ich schmerzlich vermisst, denn gerade bei den ersten Waringham-Romanen ist mit dieses Eintauchen in die Epoche wunderbar gelungen.

Für den nächsten Roman der Reihe würde ich mir wünschen, dass Rebecca Gablé Schema W einmal vollkommen über Bord wirft und sich auf fiktive Charaktere fokussiert. Dass sie auch so einen wunderbaren historischen Roman schreiben kann, hat sie mit dem überraschenden und packenden „Hiobs Brüder“ bewiesen.

Katharina von Lannister

Wenn ich gerade einmal nicht für mein historisches Romanprojekt recherchiere, schaue ich zurzeit alte Folgen von „Game of Thrones“ um mich auf den Start der 7. Staffel Mitte Juli einzustimmen. Wie in meinem letzten Beitrag angedeutet, sind mir dabei einige Parallelen zwischen George R. R. Martins Fantasywelt und historischen Ereignissen und Personen aufgefallen, auf die ich hier ein bisschen ausführlicher eingehen möchte.

Die Serie ist großartig, die Bücher finde ich jedoch noch viel besser. Das liegt sicher zum einen daran, dass kaum ein anderer Fantasy-Autor derart vielschichtige Charaktere erschaffen hat wie Martin. Was mich jedoch ganz besonders in den Bann zieht, ist die komplexe Handlung. Neben all den politischen Ränkespielen, Kriegen und Beziehungsdramen geraten die Fantasyelemente (Drachen, weiße Wanderer und rote Priesterinnen) beinahe ein wenig ins Hintertreffen.

Goerge R. R. Martin selbst hat die Rosenkriege als eine Inspirationsquelle für „Das Lied von Eis und Feuer“ genannt und tatsächlich finden sich Kernelemente der historischen Ereignisse im ersten Band der Reihe wieder. Im 15. Jahrhundert entbrannte ein Krieg zwischen den Häusern Lancaster und York (Lannister und Stark) um die englische Krone. Der schwache und einigen Quellen nach psychisch auffällige Lancaster-König Heinrich VI. wurde von dem jungen und dynamischen Edward IV. verdrängt. Züge dieses lebenslustigen Monarchen finden wir in Robert Baratheon wieder. Nach seinem plötzlichen Tod übernahm sein Bruder, der berüchtigte Richard III. die Krone. Praktischerweise verschwanden zuvor die beiden Söhne Edwards spurlos aus dem Tower. Richard konnte sich seiner Krone jedoch nicht lange erfreuen, denn er wurde von Heinrich Tudor (ein Waliser, auf dessen Feldzeichen ein Drache prangte), einem Verwandten der Lancaster, der lange im Exil gelebt hatte, in der Schlacht von Bosworth getötet. Als Heinrich VII. begründete der Sieger die Tudor-Dynastie.

Wer die Bücher gelesen hat, erkennt bereits in dieser kurzen Schilderung des Grundgerüst von „Game of Thrones“. Spannend ist jedoch, was Martin aus dieser historischen Vorlage gemacht hat. Anstatt sich sklavisch an die ursprünglichen Ereignisse zu halten, verwendet er nur wenige entscheidende Elemente, die er harmonisch in den großen Zusammenhang seiner ziemlich gewaltigen Fantasywelt einbaut. Auf dieser Weise entsteht etwas vollkommen Eigenständiges. Die Historie wird zur Inspiration.

Doch nicht nur die Rosenkriege haben Eingang in „Das Lied von Eis und Feuer“ gefunden. Martin scheint sich mindestens ebenso gut in der französischen Geschichte auszukennen wie in der englischen. Nach dem Tod von Robert Baratheon kommt sein minderjähriger „Sohn“ Joffrey auf den Thron. Als Regenten ernennt Robert Eddard Stark, der jedoch von der Königinwitwe Cersei kaltgestellt wird, die sich in der Folge „Zum Wohle ihrer Kinder“ in die Regierung einmischt. Interessanterweise gab es im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts drei vergleichbare Situationen. In den 1570er Jahren regierte Katharina von Medici für ihren minderjährigen Sohn Karl IX. 40 Jahre später füllte Maria von Medici die Rolle der Regentin an Ludwigs XIII. statt aus, ehe Anna von Österreich in den 1640er Jahren anstelle von Ludwigs XIV. herrschte. Letztere übrigens gegen den erklärten Willen ihres verstorbenen Mannes, eine weitere Parallele zu „Game of Thrones.“

Besonders spannend finde ich in dieser Hinsicht die Regentschaft von Katharina von Medici. Ähnlich wie  Joffrey scheint auch Karl IX. ein schwieriges Kind gewesen zu sein. Einigen Berichten zufolge irrlichterte der Monarch Nachts häufig durch den Louvre und zerrte junge Edelleute aus ihren Betten, um sie auszupeitschen. Zudem jagte er für sein Leben gern, oft bis zur Erschöpfung. Und während der Bartholomäusnacht, als auf Initiative Katharinas hin die in Paris anwesenden Protestanten ermordet wurden, soll er von einem Fenster des Louvre aus mit einer Arkebuse auf Fliehende geschossen haben. Außerdem gibt es Gerüchte bezüglich inzestuöser Beziehungen zwischen den Geschwistern des Königs, Katharinas Kindern. Diese hatte von 1560 bis zu ihrem Tod 1588 eine außergewöhnliche Machtposition inne, die sie Gerüchten zufolge jedoch mit Gift und allerhand Mordanschlägen, aber auch mit rauschenden, orgienhaften Festen, z.B. im oben abgebildeten Schloss Chenonceau sicherte.

Viele dieser historischen Fakten finden wir auch in abgeänderter Form in „Das Lied von Eis und Feuer“. Sie tragen dazu bei, dass die Handlung realistischer wird, denn durch die Verankerung in der realen Geschichte baute George R. R. Martin eine Brücke zwischen unserer eigenen Erfahrung und seiner Fantasywelt. Tolkien gelang dies durch die Verwendung von archetypischen Figuren, J. K. Rowling durch das Nebeneinander von Zauberern und Muggeln in unserer Realität. Und das ist m. E. etwas, das gute Fantasy ausmacht. Der Leser sollte etwas darin wiederfinden, was er kennt, denn das macht selbst die fantastischste Geschichte miterlebbar.