Manchmal kommt es anders als geplant

Ich arbeite zur Zeit an einem Familienroman, der im München der Prinzregentzenzeit, genauer gesagt im Jahr 1895 spielt. Nach einer dreimonatigen, intensiven Recherchephase habe ich einen Plot ausgearbeitet, den ich auf vier Akte verteilt habe. Ich bevorzuge vier Akte gegenüber den weiter verbreiteten Dreiaktsystemen, weil ich ein Symmetriejunkie bin und meine Texte gerne in gleich lange Abschnitte einteile. Deshalb habe ich den langen dritten Akt am Mittelpunkt in zwei gleich lange Akte aufgeteilt. Danach habe ich einen Kapitel- und Szenenplan erstellt und diesen auf einer Pinnwand mit Karteikärtchen visualisiert (s. Beitragsbild).

Als Umfang des Textes habe ich etwa 85.000 Wörter in 40 Kapiteln angepeilt. Anfang Juni habe ich dann mit dem Schreiben begonnen. Ich orientiere mich dabei an Tageszielen. So wollte ich jeden Arbeitstag der Woche (Montag bis Freitag) ein Kapitel mit einem Zielumfang von 2100 Wörtern schreiben, sodass ich fünf Kapitel pro Woche schaffe und bis Ende Juli mit der Erstfassung fertig wäre. Da ich den Text diktiere, benötige ich im Schnitt 75 Minuten für ein Kapitel.

Der Teil der des Plans hat bislang auch reibungslos funktioniert, in den ersten vier Wochen habe ich zwanzig Kapitel mit ca. 43.000 Wörtern geschrieben. Dabei ist mir jedoch etwas aufgefallen, was mir bisher noch nie untergekommen ist: Ich habe zu viel Handlung in zu wenig Text gepackt. Trotz des enormen Umfangs liest sich die erste Hälfte des Romans bislang eher wie eine grobe Handlungsskizze. Auch die Figuren haben zu wenig Platz, um sich zeigen zu können.

Deshalb habe ich am Wochenende kurzerhand entschieden, den Plot auf zwei Romane aufzuteilen. Ich hatte ohnehin eine Serie geplant und der Mittelpunkt des bisherigen ersten Romans kann mit ein paar Änderungen auch sehr gut als ein spannungsgeladenes Finale fungieren.

Diese Woche nutze ich nun, um den Plot umzustellen und zu planen, wie ich den bereits geschriebenen Text erweitere und an welchen Stellen neue Kapitel nötig werden. Aus zwei Akten werden nun also vier. Mein Ziel ist nach wie vor, die Erstfassung Ende Juli abzuschließen, das ist auch durchaus realistisch. Positiv ist bei dem Ganzen natürlich, dass ich den zweiten Teil der Serie nun schon geplottet habe :-).

Persönlichkeit: Was ist das eigentlich?

Als ich noch Psychologie studiert habe, trat beinahe jedes Semester ein typisches Phänomen auf. Beim Blick ins Vorlesungsverzeichnis klangen viele Veranstaltungen spannend. Dementsprechend groß war dann auch meine Vorfreude. Allerdings kühlte die in den ersten Vorlesungen oder Seminaren deutlich ab. Da wurden in teils epischer Breite Definitionen des behandelten Gegenstandes und Forschungsmethoden ausgewalzt, die nötig waren, um ihn zu beschreiben und zu erklären. Damals hatte ich mir geschworen, dass ich – sollte ich jemals eine Einführungsveranstaltung in ein psychologisches Thema geben – darauf verzichten würde, diese „langweiligen“ Basics darzustellen.

Meinen Blog über die Persönlichkeitspsychologie für Schreibende möchte ich nun trotzdem mit einem Beitrag über Definitionen und Begriffsklärungen beginnen. Woher also dieser Sinneswandel? 

Warum ist eine Definition sinnvoll?

Gerade beim Thema Persönlichkeit ist m. E. eine wissenschaftliche Gegenstandsbestimmung sehr wichtig, um die enorme Breite des Begriffs nicht aus dem Blickwinkel zu verlieren. Viele Persönlichkeitstheorien beschäftigen sich mit Ausschnitten der Persönlichkeit und vernachlässigen dafür andere Aspekte. In den heutzutage so beliebten Persönlichkeitscoachings geht es z.B. meistens darum, bestimmte Persönlichkeitsbereiche zu optimieren, die für den beruflichen Erfolg wichtig sind wie Führung oder Soziale Kompetenz. Andere Persönlichkeitseigenschaften wie etwa Ängstlichkeit oder Introversion werden dagegen meistens nicht beachtet. 

Wenn wir für ein Schreibprojekt eine Figur entwerfen, kann diese an Vielfalt und Lebendigkeit gewinnen, indem wir möglichst viele Aspekte ihrer Persönlichkeit kennen und zeigen. Wenn wir uns dagegen auf wenige Bereiche beschränken, wächst die Wahrscheinlichkeit von stereotypen und vorhersehbaren Figuren. Streng nach dem Myers-Briggs Typenindikator gebaute Figuren unterscheiden sich beispielsweise nur in wenigen Aspekten ihrer Persönlichkeit, so prägnant, vielfältig und scheinbar wissenschaftlich fundiert manche Beschreibungen der Typen auch klingen mögen. 

Deshalb möchte ich mich zunächst einmal dem Begriff der Persönlichkeit in seiner ganzen Komplexität annähern und danach kurz auf die verwandten Konzepte Temperament und Charakter eingehen

Persönlichkeit: Alltag vs. Wissenschaft

Wenn wir von der alltagssprachlichen Verwendung des Begriffs Persönlichkeit ausgehen, fällt auf, dass diesem im Vergleich zum eher neutralen Begriff Person in der Regel eine positive Bedeutung beigelegt wird. In Nachrufen wird oft die Persönlichkeit von Verstorbenen hervorgehoben, manchmal liest man auch Sätze wie „Sie war eine große/bedeutende/schillernde Persönlichkeit“. Die Betonung liegt hier auf der wahrgenommenen, in der Regel positiv bewerteten Einzigartigkeit der verstorbenen Person. Im Englischen dagegen wird der Begriff ausgewogener benutzt, hier werden häufiger auch negative Eigenschaften mit Personality verknüpft.

Wie definiert nun aber die Persönlichkeitspsychologie ihr Forschungsgebiet? Wenn ich es mir einfach machen würde, könnte ich mich Hall und Lindsey (1988) anschließen, die angesichts der Tatsache, dass Gordon W. Allport bereits 1937 in einer Literaturübersicht 50 verschiedene Definitionen (einschließlich seiner eigenen) des Begriffs aufführt, zu dem Schluss kommen, dass

Persönlichkeit definiert wird durch die besonderen empirischen Begriffe, welche Teil der vom Beobachter benutzten Theorie der Persönlichkeit sind.“ 

Kurz gesagt: Persönlichkeit ist, was der jeweilige Theoretiker darunter versteht. Das mag zutreffend sein, hinterlässt aber zumindest bei mir einen unbefriedigenden Nachgeschmack. Glücklicherweise haben sich andere Forscher nicht so einfach aus der Verantwortung gestohlen.

Differentielle Psychologie

Ein verbreiteter Ansatz, Persönlichkeit wissenschaftlich zu erfassen, betrachtet die Unterschiedlichkeit von Menschen bezüglich einer je nach Theoretiker variierenden Anzahl von Persönlichkeitseigenschaften, sogenannten Traits. Mit der Beschreibung, Erklärung und Vorhersage dieser Unterschiedlichkeit beschäftigt sich eine der Persönlichkeitspsychologie sehr nah verwandte Disziplin, die Differentielle Psychologie. Nach Amelang und Bartussek (1997) betrachtet diese

Die Beschreibung und Analyse derartiger unterindividueller Differenzen, sofern sie verhaltensrelevant sind

oder wie Laux (2008) es formuliert:

Die Differentielle Psychologie versteht unter Persönlichkeit die Gesamtheit aller Merkmale einer Person, in denen sie sich von anderen unterscheidet.“

Das bekannteste Beispiel für einen differentialpsychologischen Ansatz zu Beschreibung der Persönlichkeit sind die sog. Big Five, also die Traits 

  • Offenheit für Erfahrungen
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extraversion
  • soziale Verträglichkeit und
  • Neurotizismus. 

Diese sind durch empirische Studien gut belegt und bilden inzwischen so etwas wie den zentralen Kern der modernen Persönlichkeitspsychologie (vgl. Rauthmann, 2017). Wir können jeden Menschen auf diesen fünf Dimensionen einordnen und so ein individuelles Persönlichkeitsprofil erstellen. Aber reicht das aus, um seine Persönlichkeit als Ganzes zu beschreiben? Was ist mit der Intelligenz? Der Kreativität? Der Spiritualität? Was ist mit Erfahrungen? Zielen? Plänen? Und selbst wenn wir all diese Aspekte auch noch betrachten: Können wir einen Menschen vollständig durch seine Eigenschaften beschreiben? Oder ist das Ganze – wie die Gestaltpsychologen zu sagen pflegten – mehr als die Summe seiner Teile?

Eine umfassende Definition

Nützlicher als reine Auflistungen von Eigenschaften finde ich die bei Laux (2008) aufgeführte, umfassende Definition von Pervin:

Persönlichkeit ist die komplexe Organisation von Kognitionen, Emotionen und Verhalten, die dem Leben der Person Richtung und Zusammenhang gibt. Wie der Körper so besteht Persönlichkeit aus Strukturen und Prozessen und spiegelt „nature“ (Gene) und „nurture“ (Erfahrung) wider. Darüber hinaus schließt Persönlichkeit die Auswirkungen der Vergangenheit ein, insbesondere Erinnerungen, ebenso wie die Konstruktion der Gegenwart und Zukunft.

Bei Pervin sind die verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften (Kognitionen, Emotionen und Verhalten) organisiert und dadurch aufeinander bezogen. Sie beeinflussen sich gegenseitig und stehen nicht isoliert da. Zudem ist diese sehr komplexe und von Mensch zu Mensch unterschiedliche Organisation überdauernd. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Genen und Umwelteinflüssen, bezieht Erfahrungen aus der Lebensgeschichte mit ein und richtet sich durch Ziele und Pläne auf die Zukunft aus.

Ich finde diese Theorie sehr hilfreich, weil sie m.E. alle wichtigen Aspekte des Begriffs „Persönlichkeit“ umfasst, ohne zu ausschweifend zu werden.

Temperament und Charakter

Im Alltag verwenden wir diese Begriffe oft als Synonyme für „Persönlichkeit“. Aber wo liegen die Unterschiede?

Temperament

Der Begriff Temperament geht auf die Persönlichkeitstypologie von Hippokrates zurück, der Menschen nach dem Mischungsverhältnis ihrer Körpersäfte in Melancholiker (schwarze Galle), Sanguiniker (Blut), Choleriker (gelbe Galle) und Phlegmatiker (Schleim) einteilte. Modernere Temperamentstheorien wie die von Strelau oder Eysenck sahen Temperament als den vorwiegend genetisch geprägten Teil der Persönlichkeit, der sich auf die unterschiedliche Intensität bezieht, mit der Menschen auf vorgegebene Reize reagieren (vgl. Amelang & Bartussek, 1997). Damit wird also eher ein Stil beschrieben, mit dem Menschen mit ihrer Umwelt interagieren, z.B. ob sie eher impulsiv oder eher kontrolliert reagieren, gemächlich oder schnell, aufgeregt oder gechillt.

Laux (2008) weist darauf hin, dass sich in der Persönlichkeitspsychologie Temperamentsfaktoren häufig auf Persönlichkeitsmerkmale im engeren Sinn beziehen, also beispielsweise auf die Big 5 , nicht aber auf Leistungsmerkmale wie etwa Intelligenz, Kreativität oder auch Motivation. 

Charakter

Auch diesen Begriff gibt es bereits seit der Antike. Am bekanntesten dürfte wohl das – übrigens sehr lesenswerte – Werk „Charaktere“ des Griechen Theophrast sein, in dem dieser dreißig verschiedene Charaktertypen beschreibt, die sich vor allem durch negative Merkmale auszeichnen, wie etwa „Der Taktlose“ oder „Der Ekelhafte“. 

Nach Laux (2008) beinhaltet „Charakter“ zwei Bedeutungsvarianten. Zum einen

Das Unveränderliche im Wesen des Menschen“,

zum anderen

Charakter im Sinne moralischer Vortrefflichkeit“.

Im letzteren Sinne findet sich der Begriff beispielsweise bei Kant. Auf dieser Tradition baute bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts auch die deutschsprachige Persönlichkeitspsychologie auf, für die die Bezeichnung „Charakterkunde“ gebräuchlich war. Durch den Einfluss der US-amerikanischen Psychologie und der dort vorherrschenden Verwendung des Begriffs „Persönlichkeit“ wurde der „Charakter“ in die Alltagssprache verbannt. Im Vergleich zur „Persönlichkeit“ beschreibt er im Deutschen auch negative, moralisch wertende Aspekte: ein zwielichtiger/zweifelhafter/fragwürdiger Charakter.

Nutzen für das Schreiben?

Theorien sollten m. E. immer einen Anwendungsbezug haben und wenn ich in einem Blog über Persönlichkeitspsychologie und Schreiben theoretische Überlegungen zur Definition von Persönlichkeit darlege, sollten die Leser*innern auch einen praktischen Nutzen davon tragen. Ich denke, dass der heutige Beitrag ein paar Denkanstöße zur Figurenentwicklung in literarischen Texten liefern kann, die ich in folgenden Fragen zusammenfassen möchte:

  • Wie definiere ich für mich selbst Persönlichkeit? 
  • Welche Bereiche der Persönlichkeit habe ich bislang vielleicht ausgeklammert oder übersehen?
  • Beziehe ich Vergangenheit und Zukunft in die Ausarbeitung meiner Figuren mit ein?
  • Kann ich ungewöhnliche Kombinationen von Persönlichkeitsmerkmalen nutzen, um Figuren zu erschaffen, die außerhalb meiner Komfortzone liegen?
  • Welche Aspekte der Persönlichkeit könnten eine antagonistische Figur komplexer wirken lassen?
  • Welches Temperament weisen meine Figuren auf, wie ist ihr Charakter moralisch zu bewerten.

Natürlich ließe sich das noch weiter ausführen, zum Thema Persönlichkeit wurden viele sehr dicke Bücher geschrieben. Wer bis hierher durchgehalten hat, von meinen Ausführungen nicht abgeschreckt wurde und sich gerne noch mehr in die Thematik vertiefen möchte, sollte sich unbedingt das Einführungswerk „Persönlichkeitspsychologie“ von Lothar Laux vornehmen. Es ist für ein deutschsprachiges Lehrbuch erfrischend locker und verständlich geschrieben und zieht vor allem viele Querverbindungen zu literarischen Werken aber auch zu anderen Medien wie Filmen oder dem Internet. Ich wurde für diese Werbung übrigens nicht bezahlt ;-).

Ausblick

Im Juli möchte ich mich in mehreren Artikeln mit C.G. Jung und seiner Typologie befassen. Neben Informationen zu Jungs Leben und Werk und einer kurzen Einführung in seine Analytische Psychologie werde ich vertieft auf seine Typologie und sein Konzept von Extraversion – Introversion eingehen, ehe ich die weitere Geschichte dieses Persönlichkeitskonstruktes darstelle.

Literatur 

Amelang, M. & Bartussek, D. (1997). Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Stuttgart: Kohlhammer.

Hall, C.S. & Lindzay, G. (1978). Theorien der Persönlichkeit. Band 1. München: Beck

Laux, L. (2008). Persönlichkeitspsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.

Rauthmann, J. F. (2017). Persönlichkeitspsychologie: Paradigmen – Strömungen – Theorien. Berlin: Springer.

Hinter den Kulissen von „Tödliche Dekadenz“

Anfang der Woche ist meine Novelle „Tödliche Dekadenz“ (Link führt zu Amazon) als E-Book beim Arunya Verlag erschienen. Da ich auf meinem Blog immer Donnerstags Einblicke in mein Schreiben geben möchte, ist das eine gute Gelegenheit, einen Blick darauf zu werfen, wie der Text entstanden ist.

1. Die Idee

Die Anregung, die Novelle zu schreiben, habe ich im Herbst 2018 von meiner Agentin Alisha Bionda erhalten, die die Reihe „Kriminal Tango“ beim Arunya Verlag herausgibt. Sie hatte dazu aufgerufen, etwas Schräges, Skurriles oder auch Böses zu schreiben, etwas, was meine Komfortzone überschreiten sollte. 

Den Arbeitstitel für den Text hatte ich damals schon, er lautete „Die Kormoranvergrämung“. Ich war beim Joggen an einer Absperrung vorbeigekommen, auf der stand: „Gesperrt wegen Kormoranvergrämung“. Das Wort fand ich so toll, dass ich unbedingt eine Geschichte daraus machen wollte. Wie man in meinem Pitch für den Verlag sieht, spielen die Vögel darin noch eine größere Rolle:

Cornelia Liebengrün ist verzweifelt. Eine Schar von Kormoranen fischt ihren Forellenteich leer. Doch anstatt sich um die Vertreibung der Vögel kümmern zu können, muss die Kommissarin und Ortsvorsitzende des Katholischen Frauenbundes in einem Mordfall ermitteln. Otto Weber, Bratwurstfabrikant und zweiter Bürgermeister des schwäbischen Dorfes Untermeierbach wird während einer Maskenparty im örtlichen Swingerclub erstochen. Zwar haben alle anwesenden Gäste mögliche Motive für den Mord, können aber auch Alibis vorweisen. Die Kommissarin will das scheinbar perfekte Verbrechen rasch aufklären, um sich dem Kormoranproblem widmen zu können. Doch eine zweite Leiche scheint ihre Pläne endgültig zu durchkreuzen.

2. Die Umsetzung

Nachdem ich von Alisha grünes Licht bekommen habe, habe ich im Januar 2019 den Plot und die Figuren ausgearbeitet. Dabei ist eine ziemlich wilde Mischung aus „Mord im Orientexpress“ und „Der Bulle von Tölz“ entstanden. Den Agatha-Christie-Film hatte ich kurz zuvor in der neuen Version von Kenneth Branagh gesehen und die bayerische Krimiserie hatte ich früher immer gerne geschaut. Das Lokalkolorit eines kleinen schwäbischen Dorfes war mir wichtig, deshalb tauchen auch alle wichtigen Figuren auf, die im Dorfleben eine Rolle spielen. Durch das Setting des Swingerclubs wollte ich bewusst mit den daraus resultierenden Klischees spielen. Ob mir das gelungen ist, werden die Leser*innen entscheiden, ich hatte jedenfalls einen Riesen-Spaß dabei.

Die Erstfassung habe ich mit viel Vergnügen im Februar 2019 niedergeschrieben. Nach einer wertvollen Feedback-Session mit meiner Writing-Buddy Julia Hartmann, der ich hier ganz herzlich danken möchte, da im Buch kein Platz mehr dafür war, habe ich meine finale Fassung Ende März 2019 an den Verlag geschickt.

Die Vorgabe, dass es sich um eine Novelle handeln soll, habe ich übrigens sehr ernst genommen. Der Text ist nach den klassischen Novellentheorien von Goethe und Heyse aufgebaut. Es geht um ein unerhörtes Ereignis und ein „Falke“ (genauer gesagt, ein Kormoran) hat eine leitmotivische Funktion.

3. Lektorat und Titelsuche 

Das Lektorat erfolgte im Februar 2020. Erfreulicherweise hatte ich danach nicht mehr allzu viel umzuarbeiten. Am kniffligsten war die Suche nach einem griffigen Titel. „Die Kormoranvergrämung“ lag mir sehr am Herzen, allerdings ist dabei nicht unbedingt ein Krimi die erste Assoziation. Schließlich hat sich der Verlag für „Tödliche Dekadenz“ entschieden und ich finde, der Titel passt ganz gut.

4. Wie geht es mit Cornelia Liebengrün weiter?

Ich muss gestehen, dass mir die knurrige Kommissarin mit dem Faible für Filme beim Schreiben sehr ans Herz gewachsen ist. Da ich aber schon zwei Serien mit oberschwäbischen ErmittlerInnen schreibe, werde ich sie wohl schweren Herzens vorerst einmal in den Ruhestand schicken. Vielleicht kehre ich später noch irgendwann einmal zu ihr zurück und schenke ihr einen Roman. Verdient hätte sie es.

Es wird persönlich

Mit diesem Beitrag starte ich meinen neuen Blog zur Persönlichkeitspsychologie. Ich habe schon länger mit dem Gedanken geliebäugelt, regelmäßig zu diesem Thema zu schreiben. Das hat nicht nur mit meinem ausgeprägten Interesse an diesem Fachgebiet zu tun. Denn gerade Autor*innen werden  an unterschiedlichen Stellen des Schreibprozesses immer wieder mit persönlichkeitspsychologischen Themen konfrontiert und fundierte Informationen, die über den berühmt-berüchtigten Myers-Briggs-Typenindikator hinausgehen, findet man dazu leider viel zu selten.

Zum Schließen dieser bedauerlichen Lücke möchte ich mit diesem Blog einen kleinen Baustein beitragen. Dabei habe möchte ich vor allem folgende Aspekte der Persönlichkeitspsychologie in den Vordergrund stellen:

1. Jenseits der Pathologie

Es gibt im Netz unglaublich viele Darstellungen und Berichte über die pathologischen Bereiche der Persönlichkeit, die sogenannten Persönlichkeitsstörungen. Seit Trump und Co. ist dabei der Narzissmus in den Vordergrund gerückt; ein Dauerbrenner, gerade bei Autor*innen, die im Spannungsbereich aktiv sind, ist aber auch die dissoziale Persönlichkeitsstörung. Sehr viele Selbstberichte von Betroffenen findet man dagegen zum Thema Borderline.

Das sind sicherlich wichtige Themen und einzelne Figuren, die Züge von Persönlichkeitsstörungen tragen, nehmen oft eine markante Stellung in Büchern oder anderen Medien ein, denken wir nur an Hannibal Lecter, Tony Stark oder Gilderoy Lockhart, um einmal drei Beispiele zu nennen. Allerdings wird der Großteil der Figuren, die wir schreiben, sich bezüglich ihrer Persönlichkeit nicht im pathologischen Bereich bewegen. Ein Roman, der ausschließlich aus extremen Persönlichkeiten besteht, wäre wahrscheinlich schwer lesbar.

Die Persönlichkeitspsychologie als Disziplin befasst sich nun gerade mit dem nicht-pathologischen Bereich von Persönlichkeit. In mehr als 100 Jahren ist dabei einen riesige Menge von Erkenntnissen zusammengekommen, von denen sich viele Aspekte nutzen lassen, um Figuren facettenreicher und realistischer zu gestalten. Diese Verbindung zwischen psychologischer Forschung und konkreter Anwendung beim Schreiben soll ein Schwerpunkt dieses Blogs werden.

2. Vom (Proto)-Typ zur mehrdimensionalen Figur

Viele frühe Ansätze der Persönlichkeitspsychologie wie etwa Jungs Konzept von Extraversion und Introversion oder Kretschmers Morphologie waren Typologien. Dabei werden wenigen Persönlichkeitsklassen wenige aber dafür sehr charakteristische Merkmale zugeordnet, wobei die Klassen („Typen“) streng gegeneinander abgegrenzt werden. Der Vorteil dieses Konzepts besteht darin, dass Menschen, die bei denen eine Merkmalsausprägung sehr stark vorhanden („Idealtypen“) ist, sich als Figuren gut einprägen (z.B. ein sehr extravertierter Mensch als „Rampensau“). 

Die heutzutage dominierenden Ansätze sind dagegen dimensional, d.h. Merkmalsausprägungen werden als stetig aufgefasst. Zudem werden stark vereinfachende Typologien der Komplexität der menschlichen Persönlichkeit nicht gerecht, weshalb die aktuellen Modelle wie etwa die berühmten „Big 5“ mehrdimensional sind. Sie eignen sich daher m.E. auch besser dafür, komplexe Figuren mit Ecken und Kanten zu entwerfen. 

Auf dieses Spannungsfeld zwischen Typen und Dimensionen werde ich immer wieder zurückkommen

3. Psychologie ist viel mehr als Freud

Ich habe in den letzten 25 Jahren einen Haufen Schreibratgeber gelesen. In vielen davon wurde mir geraten, mir das sogenannte „topische Modell“ von Sigmund Freud (genauer gesagt, die 2. Topik) zum Vorbild zu nehmen, um Konflikte in Figuren anzulegen. Das Spannungsfeld zwischen Ich, Es und Über-Ich scheint ein Dauerbrenner zu sein, genauso wie Maslows Bedürfnispyramide. 

Nun, gegen beide Modelle ist erst einmal nichts einzuwenden, sie haben große Werke inspiriert, denken wir nur einmal an Arthur Schnitzlers Dramen und Novellen. Leider fallen dabei aber viele andere, große Persönlichkeitstheoretiker und ihre Ansätze unter den Tisch. Und das finde ich sehr schade, denn die Werke von Allport, Cattell oder Kuhl, um nur ein paar zu nennen, finde ich gerade für eine literarische Umsetzung wesentlich spannender als die alten Kamellen von Sigmund F. aus W. (auch wenn ich die für meinen im Herbst erscheinenden Thriller selbst weidlich geplündert habe).

Ich möchte euch einladen, einige dieser psychologischen Forscher und ihre Theorien zur Persönlichkeit zu entdecken und dabei vielleicht auch noch einmal neue Blicke auf scheinbar Altbekanntes zu werfen.

4. Testtheorie ist geil

Das Methodenarsenal der Persönlichkeitspsychologie umfasst eine Unmenge von Tests. Und da ich ich Testtheorie-Nerd bin, dem man mit einer objektiven, reliablen und validen, nach dem mixed-Rasch-Modell gebauten Skala den Tag versüßen kann, werde ich versuchen, ab und zu auch einen Einblick in psychologische Tests, die zugrundeliegenden Theorien und praktische Aspekte zu geben, wobei der Schwerpunkt hier auf Persönlichkeitstests und Intelligenztests liegen wird.

Ich habe mich zuletzt vor 15 Jahren zum Ende meines Studiums hin mit diesen Thematiken auf universitärem Niveau beschäftigt. Seitdem ist in der Persönlichkeitspsychologie so einiges passiert und deshalb werde ich auch viel Lesearbeit vor mir haben, um wieder auf den aktuellen Stand der Forschung zu kommen. Es wäre sicher einfacher, über das zu schreiben, was mein tägliches Brot als Psychologe im klinischen Bereich ist: psychische Erkrankungen, Psychiatrie, Psychotherapie, Schmerztherapie. Aber dazu gibt es schon eine Unmenge von Blogs und – was viel wichtiger ist –  ich habe so gar keine Lust darauf :-). Auf die Entdeckungsreise in die Persönlichkeitspsychologie dagegen freue ich mich und ich hoffe, dass ihr mich dabei begleitet.

Wenn ihr Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge habt, freue ich mich über Kommentare zu diesem Artikel oder Mails. Ich werde versuchen, mich in alles einzuarbeiten, was irgendwie mit Persönlichkeitspsychologie zu tun hat.

Ich bin wieder da

Mit großem Erschrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Beitrag hier vom März 2018 datiert. Damals hatte ich die Umsetzung der DSGVO-Regeln erst einmal zum Anlass einer Pause genommen und später ist dann so viel in meinem Leben und meinem Schreiben passiert, dass das Bloggen irgendwie keinen rechten Platz mehr hatte.

Da soll nun anders werden! Ich habe nicht nur Lust, an dieser Stelle Texte zu veröffentlichen, ich habe auch einen Plan:

Donnerstags werde ich über mein Schreiben bloggen. Es soll um meine aktuellen Projekte, Pläne aber auch Veröffentlichungen und andere Aspekte des Krimiautorenlebens gehen. Ich denke, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich einen „heißen Herbst“ vorhersage. Ich habe da mehrere Eisen im Feuer :-).

Sonntags werde ich ein wenig die Rollen wechseln vom Schriftsteller zum Psychologen. Da ich neulich die „Typologie“ von C.G. Jung gelesen habe, ist die schon etwas ältere Idee neu aufgeflammt, über die Psychologie der Persönlichkeit zu bloggen. Das ist ein spannendes Thema, gerade für Autor*innen, denn je besser es uns gelingt, eine Figur in allen Facetten ihrer Persönlichkeit einzufangen, desto lebendiger wird sie. Deshalb soll es nicht nur um Persönlichkeitspsychologie sondern auch um ihre Nutzbarmachung für das Schreiben gehen. Ich werde in meinem nächsten Text am kommende Sonntag ein wenig ausführen, wie ich mir das genau vorstelle.

Jedenfalls bin ich fest entschlossen, dieses Mal mit einer festen Regelmäßigkeit zu bloggen. Oder, um es mit einem einflussreichen Modell aus der Motivationspsychologie zu sagen: Ich habe den Rubikon überschritten, verfüge über eine ziemlich ausgeprägte Volitionsstärke und habe vor, die Aktionale Phase so richtig zu rocken (sehr frei nach Heckhausen und Gollwitzer).

Ich freue mich darauf, wenn Ihr mich auf diesem Weg begleitet!

Eine Detektivgeschichte

Die vergangene Woche über war ich wieder mit der Überarbeitung meines Psychothrillers zugange. Ich habe jetzt zwei Drittel des Manuskripts in eine annehmbare Form gebracht. Nun werde ich erst aber einmal pausieren. Der Grund dafür ist nicht in mangelnder Motivation oder in Überdruss zu suchen, sondern in einem kleinen Nebenprojekt, dem ich mehr Zeit widmen möchte, als ursprünglich angedacht.

Nachdem ich im vergangenen Jahr schon einmal eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlichen konnte, möchte ich dieses Jahr erneut an einer Ausschreibung teilnehmen. Dieses Mal schwebt mir allerdings keine mittelalterliche Horrorgeschichte vor, sondern ein Kurzkrimi im Stil viktorianischer Detektivgeschichten. Ich habe neulich eine Sammlung von Krimistories aus dieser Zeit bei meinen Eltern entdeckt (s. Beitragsbild). Zwar sind sie m.E. keine echte Konkurrenz für Sherlock Holmes, aber unterhaltsam und spannend sind sie dennoch.

Die nächsten Wochen werde ich mit dem Plotten und dem Schreiben der Kurzgeschichte verbringen und darauf freue ich mich schon sehr. Es ist eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, einen Mord inklusive Aufklärung auf 8.000 Wörter zusammen zu dampfen, wo ich doch bislang immer mindestens 75.000 Wörter zur Verfügung hatte. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es mir gelingen wird, aber hey, wozu sind Herausforderungen da, wenn man sie nicht annimmt.

Insofern werden sich meine nächsten Beiträge wohl mit der Lust oder dem Frust an viktorianischen Detektivgeschichte beschäftigen. Ich hoffe ja auf ersteres, aber wir werden sehen.

Ein Anwalt aus dem Nichts

In der vergangenen Woche konnte ich bei der Überarbeitung meines Psychothriller-Manuskripts Bergfest feiern. Yippieh! Der Flickenteppich aus bereits fertigen Textteilen, Stellen, die ich umschreiben muss, und komplett neuen Kapiteln nimmt so langsam Gestalt an und diese Gestalt gefällt mir viel besser als die Erstfassung.

Bei einem besonders wichtigen Kapitel musste ich nicht nur die Handlung anpassen, sondern auch eine neue Figur einfügen. Mein Protagonist John ist in dieser Szene scheinbar am Ende. Er sitzt infolge der Ränkespiele seiner Gegner in Untersuchungshaft. Der Anwalt, der kurzfristig für John organisiert wird, ist nun die besagte neue Figur. Und um der Katastrophe das i-Tüpfelchen aufzusetzen, ist das der erste richtige Fall des jungen Anwalts. John, von Haus aus Psychotherapeut, sieht sich also nun in der seltsamen Lage, den aufgeregten Juristen beruhigen zu müssen, während seine eigene Existenz auf der Kippe steht.

Diese Szene bereitet das Eingreifen eines wesentlich kompetenteren Verbündeten meines Protagonisten vor und hat vor allem zwei Funktionen. Zum einen möchte ich noch einmal Johns Grundkonflikt zeigen: er muss sich immer um andere kümmern und dafür eigene Bedürfnisse zurückstellen. Zum anderen möchte ich die Fähigkeiten des letztendlichen Retters durch den Kontrast mit dem unerfahrenen Anwalt noch deutlicher herausstellen. Beides funktioniert nun wesentlich besser als zuvor und deshalb hat es sich auch gelohnt, die neue Figur einzuführen, auch wenn sie nur einen Kurzauftritt hat. Ich neige allerdings dazu, einmal entworfene Figuren in anderen Projekten zu recyceln, insofern könnte es durchaus sein, dass der junge Anwalt noch einmal unter eigenem oder anderem Namen in einer meiner Geschichten auftauchen wird.

Bei den nächsten Überarbeitungsschritten werde ich meine Figuren auf einen Ausflug nach Cambridge begleiten. Als ich das heutige Beitragsfoto dort 2012 aufgenommen habe, war es Anfang November und bitterkalt. Mein Psychothriller spielt dagegen im Hochsommer und ich freue mich schon sehr darauf, die altehrwürdige Universitätsstadt bei besserem Wetter erneut zu besuchen.

 

Lang, kurz, lang

In der vergangenen Woche habe ich 14 Kapitel meines Psychothriller-Manuskripts überarbeitet. Es geht also gut voran. Gut die Hälfte dieser Kapitel musste ich komplett neu schreiben, fünf konnte ich mit kleineren Veränderungen so behalten, wie sie waren und bei drei weiteren waren größere Restaurationsarbeiten notwendig.

Insbesondere bei den neu geschriebenen Kapiteln ergaben sich auch deutliche Abweichungen von der durchschnittlichen Kapitellänge. Im Erstentwurf waren – bis auf wenige Ausnahmen – meine 66 Kapitel zwischen 1600 und 1800 Wörter lang bei einer Gesamtwörterzahl von knapp über 120.000. In die Überarbeitung haben sich nun einige Kapitel eingeschlichen, die nur wenig über 1000 Wörter Umfang haben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem stark durchgetakteten Schreibplan meine Schreibziele schneller und konsequenter erreiche, als wenn ich einfach drauflos schreibe. Deshalb war die Kapitellänge in der Erstfassung des Manuskripts schlichtweg dadurch vorgegeben, was ich in einer Stunde an „Masse“ schreiben konnte. Das war die mir täglich zur Verfügung stehende Schreibzeit und mein Ziel war es, ein Kapitel pro Tag zu schreiben, an Wochenenden oder im Urlaub auch einmal zwei pro Tag.

Als Nebeneffekt führt dieses Vorgehen bei mir zu ziemlich konstanten Kapitellängen, von denen ich aus unterschiedlichen Gründen ein großer Fan bin. Die Schreibdilettanten haben in ihrem Podcast von letzter Woche die Vorteile ähnlich langer Kapitel sehr gut dargestellt, deshalb verzichte ich hier, auf eine erneute Auflistung der Pro-Argumente :-).

Was bei mir nun dazu geführt hat, dass manche Kapitel deutlich kürzer geworden sind als der Durchschnitt, war vor allem, dass ich mit drei Perspektivfiguren arbeite und dass gerade bei den spannenderen Stellen ein schnellerer Wechsel zwischen den Perspektiven das Tempo erhöht und mehr kleine Cliffhanger ermöglicht. Mit dem etwas hektischeren Rhythmus der dadurch entstanden ist, bin ich jetzt sehr zufrieden.

Abgerechnet wird aber natürlich erst ganz am Schluss, denn wieviel von den längeren Kapiteln nach dem nächsten Überarbeitungsschritt noch übrig bleibt, werden wir sehen.

Aus 2 mach 1

Die Überarbeitung meines Thrillermanuskripts hat in der vergangenen Woche kräftig an Fahrt aufgenommen. Ich hatte ein paar Tage Urlaub und immer wenn meine beiden Jungs gerade mal beschäftigt waren, habe ich mich dem Text gewidmet. Das Beitragsbild oben habe ich in einem Café aufgenommen, als die Kurzen gerade bei einem Inlinerkurs waren und ich luxuriöse eineinhalb Stunden Zeit hatte.

Die erste Rohfassung, die ich Mitte 2017 geschrieben habe, nutze ich als Gerüst, um den Plot zu verdichten. Ein Thriller lebt von einer gewissen Atemlosigkeit, die Spannung sollte die meiste Zeit über auf einer ziemlich hohen Temperatur kochen und in den wenigen Atempausen nicht allzu sehr abkühlen. Das leistet die Erstfassung bislang nicht durchgängig. Allerdings bietet sie eine sehr gute Grundlage, um durch gezielte Veränderungen, Kürzungen und auch neue Textstellen aus einem teilweise spannenden Text einen richtigen Psychothriller zu machen.

Für mich ist aber der Plot nicht das wichtigste Element in einem Thriller. Vielleicht liegt es an meinem Psychologenjob, aber am meisten interessieren mich die handelnden Figuren, ihre Herkunft, ihre Motive und ihre Entwicklung. Ich habe bislang in meinen Krimis die Erfahrung gemacht, dass sich die Handlung beinahe von alleine ergibt, wenn die Charaktere umfassend und lebensecht ausgearbeitet sind. Wenn man sie dann aufeinander loslässt, ergeben sich automatisch interessante Konfliktlagen, die Handlungen erfordern. Und dann geschieht etwas, was im Idealfall mit ein wenig Feinschliff ein spannender Plot werden kann.

In der vergangenen Woche habe ich auch ein bisschen an meinen Figuren gearbeitet. Dabei habe ich zwei bislang getrennte Charaktere zu einem verschmolzen und zwar einen Mentor einer Hauptfigur mit einem ihrer Gegenspieler. Ich hoffe, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen spare ich Text ein. Zwei Charaktere brauchen mehr Platz im Buch als einer. Zum anderen wird die aus dieser Synthese resultierende Figur um einiges vielschichtiger. Ich mag es, wenn ein Antagonist aus Licht und Schatten besteht, wenn beide Anteile miteinander ringen und dadurch auch nicht klar wird, wie er letztendlich handeln wird. Wird der Mentorenanteil die Oberhand gewinnen? Oder der Schurke?

Die Umarbeitung der bisherigen Szenen mit den beiden alten Figuren wird zwar nun einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich bin zuversichtlich, dass es sich lohnen wird. Ich werde euch diesbezüglich auf dem Laufenden halten ;-).

Ich bin noch am Leben

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein letzter Beitrag vom Juli 2017 stammt. Herrje, dabei hatte ich mir doch vorgenommen, regelmäßiger über meinen Schreibprozess zu berichten. Doch irgendwie ist das gründlich schief gelaufen.

Als Entschuldigung könnte ich anführen, dass sich bei mir viel verändert hat. Seit Anfang des Jahres habe ich einen neuen Job, der mir durch die noch fehlende Routine viel Konzentration und Kraft abverlangt. Auch im Privaten war 2017 ein eher turbulentes Jahr. Im November hat mich dann noch eine schwere Erkältung niedergeworfen, sodass ich mein NaNoWrimo-Projekt zur Halbzeit einstellen musste.

Diese drei Wochen, in denen ich mehr oder weniger ans Bett gefesselt war, habe ich jedoch genutzt, um ein wenig Ordnung in meine Schreibprojekte zu bringen. In meinem Projektordner auf dem PC befinden sich aktuell elf Schreibvorhaben in unterschiedlichen Stufen der Vollendung. Neben einem beinahe fertigen Inge-Vill-Kurzkrimi und dem halbfertigen Manuskript des vierten Teils sind dies drei historische Romanprojekte in unterschiedlichen Reifegraden, ein Regiokrimi, der schon länger bei einem Verlag zur Begutachtung liegt, ein epischer Fantasyroman, bei dem ich seit Jahren schon mit dem Worldbuliding beschäftigt bin, ein vollkommen aus den Fugen geratenes, 1200seitiges Urban-Fantasy-Manuskript (das passiert, wenn man rein entdeckend schreibt), dann ein Projekt, von dem ich bislang nur den Titel kenne, aber noch keine Ahnung habe, ob es einmal eine Kurzgeschichte oder ein Roman oder vielleicht auch nur ein Sonett wird, eine Idee für einen Thriller und die Erstfassung eines Psychothrillers.

Dass meine digitale Projekteschublade etwas chaotisch aussieht, dürfte daher wohl nachvollziehbar sein. Um dies Chaos zu ordnen, habe ich eine Prioritätenliste erstellt, die ich nun abzuarbeiten gedenke. Ganz oben findet sich dort der letztgenannte Psychothriller gefolgt von den neuen Inge-Vill-Projekten. Um nun bei der Stange zu bleiben, möchte ich einen erneuten Anlauf starten, meinen Schreib- und Überarbeitungsprozess mit kleinen Beiträgen zu begleiten. Voilà:

Aktuell habe ich schon mit der Überarbeitung des Psychothriller-Manuskripts begonnen. Dabei war mir die neue Version des Schreibprogramms „Papyrus Author“ eine wichtige Hilfe. Ich habe die Plotstruktur des Romans über den Organizer und die Timeline dargestellt und dabei einige Inkonsistenzen entdeckt und ausgemerzt. Dann habe ich das ganze Manuskript noch einmal gegen den Strich gebürstet, alle Charaktere und ihre Handlungen auf den Prüfstand gestellt und schließlich noch einmal einiges verändert und neu konzipiert. Das hat dazu geführt, dass ich etwa ein Drittel des Romans neu und ein weiteres Drittel umschreiben muss, aber das ist vollkommen in Ordnung. Das neue Konzept gefällt mir nämlich sehr gut.

Diese zweite Rohfassung möchte ich bis Ostern erstellt haben. Bis Pfingsten hoffe ich dann, dem Manuskript den Feinschliff zu geben, sodass ich es Testlesern anvertrauen kann. Und ab Juni werde ich mich dann verstärkt wieder meiner lieben Inge Vill zuwenden.

So ist jedenfalls einmal der Plan, ob das alles auch so klappt, werde ich dann ja regelmäßig hier berichten :-).

P.S.: Die Kirche im Beitragsbild ist übrigens die Basilika in Ottobeuren. Dort in der Nähe befindet sich neben meiner neue Arbeitsstelle auch der Geburtsort von Sebastian Kneipp. Dass ich meine Terminplanung nach kirchlichen Feiertagen ausrichte liegt allerdings weniger an diesem klerikalen Einfluss sondern vielmehr an meinen zu diesem Zeiten stattfindenden Urlaubswochen, die sich als natürliche Zeitmarken anbieten.