I’m a winner :-)

Mit nicht geringem Erschrecken habe ich heute morgen festgestellt, dass der Juli sich nun auch schon wieder dem Ende zuneigt. Dann ist mir eingefallen, dass ich ja am Campnanowrimo teilnehme. Also habe ich rasch meine Statistiken aktualisiert und mir mein Gewinnerbild abgeholt.

Ich kann nun also stolz verkünden, dass ich 18110 Wörter neu geschrieben und 5237 Wörter in eine finale Form gegossen habe. Juhu :-). Damit habe ich mein selbstgestecktes Ziel von 20000 Wörtern klar erreicht.

Bei dem neu entstandenen Manuskript handelt es sich um die Erstfassung meines in London spielenden Inge-Vill-Kurzkrimis. Dieses Lebenszeichen meiner umtriebigen Kommissarin möchte ich gerne noch dieses Jahr veröffentlichen, wenn ich es zeitlich unterbringe.

Die final überarbeitete Kurzgeschichte (wobei 5200 Wörter nicht unbedingt kurz sind) ist mein Beitrag zu der Ausschreibung des Burgenwelt-Verlages „Auf düsteren Pfaden. Horrorgeschichten aus dem Mittelalter“. Sowohl Genre als auch historischer Hintergrund sind Neuland für mich und deswegen habe ich mich sehr darüber gefreut, dass meine kleine Story ausgewählt wurde. Vorgestern kam sie aus dem Lektorat zurück und eben habe ich die überarbeitete Version losgeschickt. Im Dezember wird die Anthologie erscheinen und dann werde ich auch noch ein bisschen mehr über den Text verraten.

Aktuell stecke ich jedoch bis zum Hals in der Überarbeitung meines Thrillermanuskripts und versuche, die vielen Ideen, die ich beim Lesen der Erstfassung hatte, irgendwie zu integrieren. Erfreulicherweise fand ich vieles von dem, was ich da geschrieben hatte, ziemlich gut – ganz anders als während des Schreibens, als ich mehr als einmal daran gezweifelt habe, ob ich da irgendetwas Verwertbares produziere.

Ab nächste Woche werde ich dann meine kleine Blogreihe über die Arbeit an meinem historischen Romanprojekt fortsetzen. Ich habe mir ein paar Gedanken zum Thema „Genauigkeit und Chronologie bei historischen Romanen“ gemacht, die ich gerne teilen möchte.

 

 

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Kleines Update

Nach einer Woche habe ich bereits mehr als die Hälfte meines Camp-Nanowrimo-Ziels geschafft. Mein Inge-Vill Kurzkrimi umfasst bereits 11.000 von angepeilten 20.000 Wörtern. Allerdings habe ich die finale Wörterzahl wohl ein bisschen überschätzt, die Erstfassung wird wohl etwa 17.000 Wörter stark sein. Die zu meinem Monatsziel fehlenden 3.000 Wörter rechne ich dann einfach über die anstehenden Korrekturen und Umarbeitungen an.

Wie immer halte ich mich nicht groß auf, sondern hacke meine Ideen so rasch wie möglich in mein Schreibprogramm, um das Manuskript fertigzustellen. Für mich hat sich das Vorgehen bewährt, eine komplett vorliegende Erstfassung zu überarbeiten und nicht schon beim ersten Schreibdurchgang an Handlung, Figuren oder Setting herumzudoktern. Dieses Mal fühlt sich die Rohfassung des Kurzkrimis aber noch ziemlich roh an. Da wird noch einige Arbeit auf mich zukommen.

Nichtsdestotrotz genieße ich es, wieder in Inge Vill Welt eingetaucht zu sein. Ich mag sie sehr und habe gern an ihrem Leben teil, auch wenn ich natürlich manchmal ziemlich fies bin und ihr große Steine in den Weg lege. So auch bei ihrem London-Trip. Was als nettes Wochenende mit Besuch der letzten Monty-Python-Show und Shoppingtour mit der kleinen Schwester geplant war, entwickelt sich unter meinen Fingern gerade zusehends zu einem Albtraum. Ich bin mal gespannt, ob Inge rechtzeitig um 20 Uhr Ortszeit ihren Platz im Londoner O2 einnehmen kann…

Mein Beitragsbild stellt heute einen Schauplatz des Kurzkrimis dar. Die Tower Bridge ist natürlich ein Klischee, aber ich konnte nicht anders, als sie einzubauen.

 

Inge Vill 3,5

Heute gibt es mal kein ausführliches Update zur Recherche für mein historisches Romanprojekt. Ich kämpfe mich gerade durch ein Buch über die Jugend Ludwigs XIII. Die Autorin hat einen psychoanalytischen Ansatz gewählt und deswegen werde ich immer wieder von unkontrollierten Lachanfällen geschüttelt, wenn die Deutungen zu abstrus werden. Sobald ich mit dem Buch durch bin, werde ich mich darüber ausführlich auslassen, versprochen.

Neben der Recherche werde im Juli aber endlich auch wieder zum Schreiben kommen. Ehe ich meinen nächsten Inge-Vill-Krimi angehe, möchte ich die Lücke zwischen Teil 3 und 4 der Reihe mit einem maximal 100seitigen Kurzkrimi schließen. Die Leser von „Schwabenblut“ werden sich vielleicht daran erinnern, dass Inge am Schluss des Romans eine Einladung zu einer der Reunion-Shows von Monty Python im Juli 2014 erhält. In dem mit dem Arbeitstitel „Inge Vill 3,5“ überschriebenen Kurzkrimi wird es nun um den 20. Juli 2017 gehen, den Tag an dem Inge nach London reist.

Leider läuft nicht alles so glatt wie geplant. Inges Begleiter unterläuft ein kleiner, aber verhängnisvoller Fehler, der eine unvorhersehbare Welle von Ereignissen in Gang setzt. Inge muss all ihren Grips aufbieten, um den daraus resultierenden Kriminalfall zu lösen und dann noch rechtzeitig zum Beginn der Show in der O2-Arena zu sein. Ob ihr das gelingen wird?

„Inge Voll 3,5“ ist mein diesjähriges Camp Nanowrimo – Projekt. Ich teile mir eine Cabin mit ein paar anderen BartBroAuthors und bin schon sehr gespannt, ob wir unsere Ziele erreichen. Meines ist allerdings mit 20000 Wörtern recht niedrig gesteckt.

Idealerweise stimmt mich „Inge Vill 3,5“ dann wieder auf den regulären 4. Band der Reihe ein. Ich habe schon einen ziemlich komplexen Kriminalfall in Planung, der Inge einiges an Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Aber zuvor verlebt sie noch einen turbulenten Tag in Prä-Brexit London und ich freue mich sehr darauf, sie durch diese wunderbare Stadt zu begleiten.

Schema W oder „Die frem(delnd)e Königin“

In den vergangenen beiden Wochen habe ich „Die fremde Königin“ von Rebecca Gablé gelesen. Schon während der Lektüre (bzw. dem Hören, denn ich habe das von Detlef Bierstedt gesprochene Hörbuch konsumiert), war mir klar, dass ich ein paar Zeilen darüber schreiben will. Das hier ist nun keine Rezension im klassischen Sinne. Vielmehr möchte ich einige Aspekte besonders herausgreifen, die mich beim Lesen des Buches sehr beschäftigt haben: Plot, Perspektivfiguren und Erzähler.

Vorausschicken muss ich, dass ich ein großer Fan der ersten Waringham-Romane von Rebecca Gablé bin. Zusammen mit „Harry Potter“ haben mich diese Bücher wieder zum Lesen zurückgewonnen. Insbesondere „Der König der purpurnen Stadt“ und die ersten drei Teile der Waringham-Saga habe ich regelrecht verschlungen. Sie sind gut recherchiert, spannend und mit einer Fülle einprägsamer Charaktere bevölkert, die zum Mitfiebern anregen.

Die beiden letzten Bände der Reihe fand ich nicht mehr so gelungen. Das lag zum einen daran, dass es intensivere Romane über die Tudor-Zeit gibt (z.B. von Sansom, Mantel oder Parris). Zum anderen ist aber m. E. auch etwas deutlich geworden, das ich einmal „Schema W“ nenne möchte, wobei das „W“ für „Waringham“ steht. Die Grundstruktur dieser Romane, die Plotlinien, die Konflikte der Charaktere sind nämlich im Grunde genommen immer die gleichen. Es geht um Generationenkonflikte innerhalb einer Adelsfamilie, die mit den Herrschenden der Zeit enge Verbindungen pflegen. In den ersten Bänden war dies wie gesagt noch spannend, in den letzten beiden waren mir die Charaktere und ihre Motive nicht mehr eigenständig genug. Ich hatte das Gefühl, alles schon einmal gelesen zu haben.

Deswegen war ich auch sehr erfreut darüber, dass sich Rebecca Gablé inzwischen einer neuen Epoche zugewandt hat, dem Zeitalter der Ottonen. In „Das Haupt der Welt“ erleben wir die ersten Regierungsjahre Ottos I. aus der Sicht des Slawen Tugomir. Ich fand den Roman ziemlich gelungen, die Figur des hinkenden Heilers Tugomir war mir jedoch ein wenig zu sehr an den damals noch sehr populären „Dr. House“ angelehnt.

Nun ist mit „Die fremde Königin“ ein zweiter Teil dieser Reihe erschienen. Und leider hat mich dieser so gar nicht begeistern können. Schon während des Hörens war ich mehrmals nahe daran, das Buch abzubrechen, einmal aufgrund einer m.E. ziemlich furchtbaren Erotikszene („Er pflügte in sie hinein“ – Hallo gehts noch?), die anderen Male aber, weil ich sowohl mit dem Plot als auch mit den Perspektivfiguren meine Probleme hatte.

„Die fremde Königin“ wird aus der Sicht von drei Charakteren erzählt: Königin Adelheid, Luidolf (Ottos Sohn) und Gaidemar, ein Bastard. Während die ersten beiden historische Figuren sind, ist der letztere fiktiv. Schon die Wahl der Königin und des Königssohnes als Perspektivfiguren hat aus meiner Sicht negative Auswirkungen auf die Gestaltung der Handlung. Schicksal und Handlungen einer historischen Figur sind zu beinahe 100 Prozent festgelegt. Und so ist dann der Roman auch leider nur eine vorhersehbare Parade von bekannten Ereignissen von Adelheids Flucht über Luidolfs Rebellion zur Lechfeldschlacht und schließlich zu Ottos Italienfeldzug. Der Plot ist von vornherein determiniert, es gibt keine Überraschungen.

Ein Großteil der Handlung spielt sich direkt in der Königsfamilie ab. Und zwar nach Schema W. Ich hatte ganz oft den Eindruck, einen Waringham-Roman zu lesen. Luidolf ist als ein klassischer Waringham-Rebell angelegt, seine Schwiegermutter entspricht ebenfalls dem Frauentyp dieser Werke. Auch die Geistlichkeit könnte mit wenigen Änderungen in „Das Lächeln der Fortuna“ vorkommen. Was jedoch in der ursprünglichen Reihe funktioniert, stößt hier an Grenzen. Die Waringhams sind eine fiktive Familie. Ihre Schicksale, Gedanken, Worten und Taten waren relativ frei gestaltbar. Die Ottonen waren real. Und hier funktioniert Schema W einfach nicht mehr.

Man kann reale Figuren zu Protagonisten historischer Romane machen. Das haben sowohl Hilary Mantel als auch Alexandre Dumas meisterhaft bewiesen. Zwar sind Dumas Figuren eher Kinder seiner eigenen Zeit, doch durch das Stilmittel der romantischen Ironie schafft der Erzähler die notwendige Distanz und macht aus einem reinen historischen Bericht ein literarisches Werk, z.B. in „La reine Margot“. Dass er auch anders kann, zeigt er v.a. in „Die drei Musketiere“. Dort setzt er historische Figuren nur sehr sparsam ein, wirklich einprägsam sind die fiktiven Figuren.

Hilary Mantel arbeitet noch wesentlich kunstvoller. Die psychologische Durchdringung ihrer Figuren ist m.E. beispiellos. Zudem arbeitet sie mit verschiedenen Zeitebenen und setzt ganz viel (teils recht sarkastische) Ironie ein. Bei Rebecca Gablé fehlt diese Distanz zwischen Erzähler und Figuren. Wir bekommen ohne viel Beiwerk die Taten und Gedanken der Protagonisten serviert. Bei den Waringham Romanen funktioniert das gut, weil wir dadurch unmittelbar in die mittelalterliche Welt eintauchen. Bei den Otto-Romanen scheitert dieses Vorgehen m.E. völlig. Sowohl Luidolf als auch Adelheid bleiben blass und austauschbar und noch schlimmer: vorhersehbar.

Leider kann auch Gaidemar nichts mehr an diesem Eindruck ändern. Er ist zwar fiktiv, erinnert aber so sehr an das schwarze Schaf nach Schema W, dass auch sein eng an die Herrscherfamilie geknüpftes Schicksal mich nicht mehr packen konnte. Zudem ist er m.E. einer der unsympathischsten Charaktere im Werk von Rebecca Gablé.

Das alles führt auch dazu, dass bei mir nie das Gefühl aufkam, in die spezifische Epoche des 10. Jahrhunderts einzutauchen. Wenn man die Namen und historische Details ändern würde, könnte der Roman auch im späteren Mittelalter spielen. Und das habe ich schmerzlich vermisst, denn gerade bei den ersten Waringham-Romanen ist mit dieses Eintauchen in die Epoche wunderbar gelungen.

Für den nächsten Roman der Reihe würde ich mir wünschen, dass Rebecca Gablé Schema W einmal vollkommen über Bord wirft und sich auf fiktive Charaktere fokussiert. Dass sie auch so einen wunderbaren historischen Roman schreiben kann, hat sie mit dem überraschenden und packenden „Hiobs Brüder“ bewiesen.

Katharina von Lannister

Wenn ich gerade einmal nicht für mein historisches Romanprojekt recherchiere, schaue ich zurzeit alte Folgen von „Game of Thrones“ um mich auf den Start der 7. Staffel Mitte Juli einzustimmen. Wie in meinem letzten Beitrag angedeutet, sind mir dabei einige Parallelen zwischen George R. R. Martins Fantasywelt und historischen Ereignissen und Personen aufgefallen, auf die ich hier ein bisschen ausführlicher eingehen möchte.

Die Serie ist großartig, die Bücher finde ich jedoch noch viel besser. Das liegt sicher zum einen daran, dass kaum ein anderer Fantasy-Autor derart vielschichtige Charaktere erschaffen hat wie Martin. Was mich jedoch ganz besonders in den Bann zieht, ist die komplexe Handlung. Neben all den politischen Ränkespielen, Kriegen und Beziehungsdramen geraten die Fantasyelemente (Drachen, weiße Wanderer und rote Priesterinnen) beinahe ein wenig ins Hintertreffen.

Goerge R. R. Martin selbst hat die Rosenkriege als eine Inspirationsquelle für „Das Lied von Eis und Feuer“ genannt und tatsächlich finden sich Kernelemente der historischen Ereignisse im ersten Band der Reihe wieder. Im 15. Jahrhundert entbrannte ein Krieg zwischen den Häusern Lancaster und York (Lannister und Stark) um die englische Krone. Der schwache und einigen Quellen nach psychisch auffällige Lancaster-König Heinrich VI. wurde von dem jungen und dynamischen Edward IV. verdrängt. Züge dieses lebenslustigen Monarchen finden wir in Robert Baratheon wieder. Nach seinem plötzlichen Tod übernahm sein Bruder, der berüchtigte Richard III. die Krone. Praktischerweise verschwanden zuvor die beiden Söhne Edwards spurlos aus dem Tower. Richard konnte sich seiner Krone jedoch nicht lange erfreuen, denn er wurde von Heinrich Tudor (ein Waliser, auf dessen Feldzeichen ein Drache prangte), einem Verwandten der Lancaster, der lange im Exil gelebt hatte, in der Schlacht von Bosworth getötet. Als Heinrich VII. begründete der Sieger die Tudor-Dynastie.

Wer die Bücher gelesen hat, erkennt bereits in dieser kurzen Schilderung des Grundgerüst von „Game of Thrones“. Spannend ist jedoch, was Martin aus dieser historischen Vorlage gemacht hat. Anstatt sich sklavisch an die ursprünglichen Ereignisse zu halten, verwendet er nur wenige entscheidende Elemente, die er harmonisch in den großen Zusammenhang seiner ziemlich gewaltigen Fantasywelt einbaut. Auf dieser Weise entsteht etwas vollkommen Eigenständiges. Die Historie wird zur Inspiration.

Doch nicht nur die Rosenkriege haben Eingang in „Das Lied von Eis und Feuer“ gefunden. Martin scheint sich mindestens ebenso gut in der französischen Geschichte auszukennen wie in der englischen. Nach dem Tod von Robert Baratheon kommt sein minderjähriger „Sohn“ Joffrey auf den Thron. Als Regenten ernennt Robert Eddard Stark, der jedoch von der Königinwitwe Cersei kaltgestellt wird, die sich in der Folge „Zum Wohle ihrer Kinder“ in die Regierung einmischt. Interessanterweise gab es im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts drei vergleichbare Situationen. In den 1570er Jahren regierte Katharina von Medici für ihren minderjährigen Sohn Karl IX. 40 Jahre später füllte Maria von Medici die Rolle der Regentin an Ludwigs XIII. statt aus, ehe Anna von Österreich in den 1640er Jahren anstelle von Ludwigs XIV. herrschte. Letztere übrigens gegen den erklärten Willen ihres verstorbenen Mannes, eine weitere Parallele zu „Game of Thrones.“

Besonders spannend finde ich in dieser Hinsicht die Regentschaft von Katharina von Medici. Ähnlich wie  Joffrey scheint auch Karl IX. ein schwieriges Kind gewesen zu sein. Einigen Berichten zufolge irrlichterte der Monarch Nachts häufig durch den Louvre und zerrte junge Edelleute aus ihren Betten, um sie auszupeitschen. Zudem jagte er für sein Leben gern, oft bis zur Erschöpfung. Und während der Bartholomäusnacht, als auf Initiative Katharinas hin die in Paris anwesenden Protestanten ermordet wurden, soll er von einem Fenster des Louvre aus mit einer Arkebuse auf Fliehende geschossen haben. Außerdem gibt es Gerüchte bezüglich inzestuöser Beziehungen zwischen den Geschwistern des Königs, Katharinas Kindern. Diese hatte von 1560 bis zu ihrem Tod 1588 eine außergewöhnliche Machtposition inne, die sie Gerüchten zufolge jedoch mit Gift und allerhand Mordanschlägen, aber auch mit rauschenden, orgienhaften Festen, z.B. im oben abgebildeten Schloss Chenonceau sicherte.

Viele dieser historischen Fakten finden wir auch in abgeänderter Form in „Das Lied von Eis und Feuer“. Sie tragen dazu bei, dass die Handlung realistischer wird, denn durch die Verankerung in der realen Geschichte baute George R. R. Martin eine Brücke zwischen unserer eigenen Erfahrung und seiner Fantasywelt. Tolkien gelang dies durch die Verwendung von archetypischen Figuren, J. K. Rowling durch das Nebeneinander von Zauberern und Muggeln in unserer Realität. Und das ist m. E. etwas, das gute Fantasy ausmacht. Der Leser sollte etwas darin wiederfinden, was er kennt, denn das macht selbst die fantastischste Geschichte miterlebbar.

Das goldene Jahrhundert der Verwüstung

Die vergangene Woche habe ich ich dazu genutzt, mich ein wenig in das 17. Jahrhundert „einzulesen“. In meinem letzten Blogpost  habe ich meine Recherche als eine Bewegung vom Allgemeinen zum Besonderen beschrieben. Die beiden Bücher, die ich zunächst hierfür zurate gezogen habe, berühren beide Gesichtspunkte.

The golden century“ von Maurice Ashley ist ein Beispiel für eine sehr allgemein gehaltene Überblicksdarstellung. Auf 240 Seiten geht der Autor auf die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung im Europa des 17.Jahrhunderts ein. Ashley schafft es dabei, die parallel in verschiedenen Ländern ablaufenden Prozesse so zu beschreiben, dass der Leser ein Gefühl für die Gleichzeitigkeit der Ereignisse bekommt. Gerade bei historischen Roman ist der Blick über den Tellerrand wichtig. Mein neues Projekt wird sich zwar (zunächst) auf Frankreich in den 1620ern konzentrieren, ich sollte aber trotzdem sehr gut darüber Bescheid wissen, was zu dieser Zeit in England, Spanien, den Niederlanden, dem Heiligen Römischen Reich, Italien und im Baltikum geschah. Spezifischere Bücher über die französische Geschichte oder bestimmte historische Persönlichkeiten lassen diesen internationalen Blick jedoch oft vermissen. Insofern ist „The golden century“ ein guter Startpunkt.

Einen anderen Ansatz hat Peter Englund für sein Werk „Verwüstung: Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ gewählt. Der schwedische Historiker hat mit diesem Buch das Kunststück vollbracht Allgemeines und Besonderes auf eine derart mitreißende Art und Weise darzustellen, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Das Werk hat drei Ebenen. Zum einen beschreibt Englund die Geschichte des 30jährigen Krieges mit dem Schwerpunkt auf der schwedischen Perspektive. Allein dieser Teil ist schon meisterhaft ausgeführt. Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit dieser Epoche, aber das Buch hat mir einige Zusammenhänge deutlich gemacht, die ich zuvor nicht verstanden hatte. Die zweite Ebene ist die Geschichte Erik Jönsons, eines jungen Mannes, der während des Krieges aufwächst und und er Zeit danach sein Glück finden will. Anhand der Tagebuchaufzeichnungen des historischen Jönsons entwirft Englund beinahe so etwas wie einen kleinen Entwicklungsroman. Das ist spannend zu lesen und bringt die Perspektive des „Normalbürgers“ mit ins Spiel, die viele andere Darstellungen außen vorlassen. Mit diesem Teil über Jönson sind zahlreiche Exkurse zu kulturgeschichtlichen Aspekten als dritte Ebene im Buch verknüpft. Wir erfahren etwas über die Freizeitbeschäftigungen der Menschen im Barock, ihre Tischsitten, ihr Verhältnis zu Zeit und Arbeit und vieles mehr. Damit ist „Verwüstung“ eine erstklassige Quelle für mein Romanprojekt, auch wenn der behandelte Zeitabschnitt wohl dann eher Eingang in eine mögliche Fortsetzung finden wird.

Das nächste Buch auf meiner Leseliste ist „Königinnen auf Zeit“ von Anka Muhlstein. Die Autorin behandelt hier die drei Regentschaften von Katharina von Medici, Maria von Medici und Anna von Österreich. Die letzten beiden sind für meinen Roman sehr wichtig. Im Vordergrund der Darstellung steht die Beziehung zwischen den Regentinnen und ihren minderjährigen Söhnen. Den Teil über Katharina von Medici habe ich schon gelesen und dabei habe ich einige interessante Parallelen zu „Game of Thrones“ entdeckt. George R. R. Martin (ein großer Kenner der frühneuzeitlichen europäischen Geschichte) hat sich in seiner Darstellung von Cersei Lannister und Joffrey Baratheon ganz offenbar nicht nur von den englischen Rosenkriegen sondern auch von Regentschaft Karls IX. von Frankreich inspirieren lassen. Mein nächster Post wird sich ein wenig ausführlicher mit diesen Parallelen aber auch den Unterschieden zwischen Fantasy und realer Geschichte beschäftigen.

Ein historischer Roman entsteht

Bislang habe ich es nie so richtig geschafft, meinen Schreibprozess mit regelmäßigen Blogartikeln zu begleiten und zu dokumentieren. Asche auf mein Haupt :-). Doch ab sofort wird das alles anders. Versprochen.

Aktuell arbeite ich an zwei Projekten. Zum einen werden ich in den nächsten Monaten meine Inge-Vill-Reihe fortsetzen. Da ich diesbezüglich alles schon geplottet habe, kann ich erst einmal fröhlich drauflos schreiben und darauf freue ich mich auch schon sehr.

Mein zweites Projekt ist ein historischer Roman, der im 17. Jahrhundert spielt. Die Idee dazu kam mir vor ein paar Wochen und sobald ich begonnen hatte, mich näher damit zu beschäftigend war ich recht schnell Feuer und Flamme. Die Musketier-Romane von Alexandre Dumas waren einer der Hauptgründe, warum ich mit Schreiben begonnen habe. Und mein neuer Roman wird zur selben Zeit am selben Ort spielen, im Frankreich des Jahres 1625.

Ehe ich mit Schreiben oder überhaupt mit dem Plotten des Romans und dem Konzipieren der Figuren beginnen kann, stehen mir jedoch umfangreiche Recherchen bevor. Wie Ihr auf dem Foto sehen könnte, habe ich mich bereits mit Literatur zum Thema eingedeckt. Grundsätzlich geht es mir zunächst einmal darum, über die geschichtlichen Hintergründe genau Bescheid zu wissen. Danach werde ich mich auf die kulturgeschichtlichen Aspekte konzentrieren: Wie lebten die Menschen damals? Wie und was dachten sie? Was motivierte sie zum Handeln? Womit bezahlten sie? Was aßen sie? Wie reisten sie? Usw.

Erst wenn ich genügend Hintergrundwissen habe, kann ich mich daran machen, die Figuren mit Leben zu erfüllen. Ich möchte nämlich nicht Gefahr laufen, meine Charaktere zu modern zu gestalten. Was ich versuchen möchte, ist nämlich nichts weniger, als einen „echten“ historischen Roman zu schreiben. Dabei orientiere ich mich an Umberto Eco, der in der „Nachschrift zum Namen der Rose“ historische Romane nach dem Grad ihrer Authentizität in drei Kategorien einteilt:

Bei Romanzen wird eine Handlung in eine beliebige und austauschbare Vergangenheit versetzt, um sie durch das historische Element exotischer zu gestalten. Viele Groschenromane fallen in diese Kategorie.

Mantel- und Degenromane sind – was die Handlung betrifft – an eine bestimmte Zeit gebunden. Die Charaktere denken und handeln jedoch nicht historisch, sondern eher wie Menschen aus der Epoche des Autors oder der Autorin. Die Romane von Alexandre Dumas oder Walter Scott sind klassische Beispiele für diese Kategorie. Neuere Vertreter sind die „Wanderhuren“-Romane oder auch – wofür mich einige ihrer Fans wahrscheinlich steinigen werden – die sehr gut recherchierten Wälzer von Rebecca Gablé.

Und dann gibt es da noch die „echten“ historischen Romane. Bei diesen sind die Charaktere und der historische Hintergrund eins. Natürlich zählt Eco – berechtigterweise – „Der Name der Rose“ dazu, aber auch die Shardlake-Serie von C. J. Sansom, die Tudor-Romane von Hilary Mantel und die Werke von Bernard Cornwell würde ich dazu rechnen. Ebenso wie „Das Parfüm“.

Inwieweit es mir gelingen wird, diese anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen, kann ich noch nicht einschätzen. Um die Figuren jedoch „historisch echter“ zu gestalten, werde ich einen Schwerpunkt meiner Recherchen auf Literatur aus dem 17. Jahrhundert (z.B. den „Simplicissimus“ in der Originalversion) aber auch auf Briefe und andere Selbstzeugnisse von Menschen aus dieser Epoche zurückgreifen.

Zunächst jedoch verschaffe ich mir einen Überblick mit einem Klassiker. Leopold von Rankes „Französische Geschichte“ ist zwar nicht mehr aktuell, jedoch entwirft er ein detailreiches Panorama des 16. und 17. Jahrhunderts, das noch immer seinesgleichen sucht. Danach werde ich mich dann in die Biographien der wichtigsten historischen Persönlichkeiten vertiefen: Richelieu, Ludwig XIII., Maria von Medici, Anna von Österreich, Gustav Adolf von Schweden, Wallenstein usw.

Es gibt also viel zu tun, aber ich freue mich schon sehr darauf, in diese spannende Epoche einzutauchen und euch in REGELMÄßIGEN Artikeln daran teilhaben zu lassen.

Ende Teil 1

Gestern Abend konnte ich nach vier Monaten Arbeit und knapp über 120.000 Wörtern „Ende“ unter das Manuskript meines Thriller-Projekts „FS1900“ schreiben. Ein tolles Gefühl. Natürlich liegt noch viel Arbeit vor mir. Zwar habe ich den Roman für meine Verhältnisse recht ausführlich durchgeplottet, aber an manchen Stellen ist mir dann doch aufgefallen, dass Alternativen zur vorgezeichneten Handlung möglicherweise besser funktionieren. Da stehen nun noch mehrere Überarbeitungen an, die mich mindestens bis Ende des Jahres beschäftigen werden.

Nun werde ich den Text aber erst einmal ein bisschen ruhen lassen und mich wieder Inge Vill zuwenden. Ein Kurzkrimi und der reguläre vierte Teil sind schon konzipiert, die muss ich „nur“ noch niederschreiben. Und dann habe ich mich mit erstaunlichem Elan in ein ganz neues Projekt gestürzt. So viel sei schon einmal verraten: Es wird sich um eine Reihe historischer Romane handeln, die im 16. Jahrhundert zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Die Fachliteratur zu Kardinal Richelieu, Gustav Adolf von Schweden und den Stuart-Königen stapelt sich bereits auf meinem Schreibtisch. Es bleibt spannend.

Schwabenblut

Bald ist es soweit, am 10. Februar erscheint mein dritter Inge-Vill-Krimi als eBook bei Midnight. Er trägt den Titel „Schwabenblut“. Morgen Abend werde ich das wunderbare Cover enthüllen. Ich bin schon sehr gespannt, wie der Roman  ankommt und werde auch wieder eine Leserunde veranstalten, um mich mit den Lesern austauschen zu können.

Für die anstehende Veröffentlichung habe ich mir  eine kleine Besonderheit überlegt: Ich werde eine Art „Countdown“ veranstalten. Beginnend am 1. Februar werde ich jeden Tag auf meinem Facebook-Account etwas veröffentlichen, was im Zusammenhang mit „Schwabenblut“ steht. Dabei wird es einerseits um die Beziehungen zu den beiden ersten Krimis der Reihe „Die Spur des Jägers“ und „Schwabenmord“ gehen, aber ich werde auch Bücher anderer Autoren vorstellen, die ich während der Schreibphase des neuen Romans gelesen habe. Ob und wie diese Werke die Arbeit an „Schwabenblut“ beeinflusst haben, ist ein spannendes Thema, dem ich mich im Rahmen des „Countdowns“ widmen möchte.

Noch während des „Countdowns“ werde ich mit der Arbeit an meinem neuen Projekt „FS 1900“ beginnen. Es handelt sich dabei um einen in London spielenden Psychothriller und ich freue mich schon sehr darauf, endlich die ersten Wörter des Manuskripts zu tippen. Und vielleicht schaffe ich es dieses Mal, regelmäßiger über meine Fortschritte zu bloggen :-).

Heiligsblechle

Silvester ist ein guter Anlass, um zurückzublicken auf ein Jahr, das für viele von uns so dramatisch, spannend, traurig aber hoffentlich auch freudvoll war wie ein Roman. Für mich persönlich begann 2016 mit einer Lovelybooks-Leserunde zu meinem ersten Krimi „Die Spur des Jägers“. Der Austausch mit den Lesern war eine große Bereicherung für mich und über das ausnahmslos positive Feedback habe ich mich sehr gefreut. Ich konnte auch einige Anregungen aus der Leserunde direkt in die Arbeit an Band 3 einfließen lassen.

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Am 15.1. erschien dann „Schwabenmord“ und bereits kurz nach der Veröffentlichung machte ich mich an die Fortsetzung, die damals noch den Arbeitstitel „Met und Meuchelmord“ trug. Allerdings geschah dann Mitte Februar etwas vollkommen Unerwartetes: Die Muse schaute vorbei und gab mir einen dicken Schmatzer, was mich dazu veranlasste, mich in ein neues Projekt zu stürzen. Bis Ende Juli hatte ich in einem wahren Schreibrausch die Erstfassung eines 1200-seitigen Urban-Fantasy-Romans mit dem Titel „Krauts“ fertiggestellt. Seitdem liegt der erschreckend dicke Papierstapel des Ausdrucks neben mir im Regal und wartet auf seine Überarbeitung. Allerdings wird „Krauts“ sich noch ein wenig gedulden müssen. Da Leonardo da Vinci eine wichtige Rolle in dem Roman spielt, möchte ich ihn gerne erst 2019 veröffentlichen, zum 500. Todesjahr Leonardos. Zudem haben andere Projekte Vorrang.

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Im Mai verbrachte ich eine Woche im Loiretal, dem Schauplatz meines ersten Historienromans „B“., den ich auch gleich an Ort und Stelle in Szene setzte:

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Nachdem ich die Arbeit an „Krauts“ abgeschlossen hatte, machte ich mich daran, „Met und Meuchelmord“ zu beenden. Mitte August konnte ich dann das Manuskript an meine Testleser verschicken. Ich bekam sehr hilfreiche Rückmeldungen, die ich im September einarbeitete. Im Oktober, gleich nach der „Schwabenblut“-Lesung in der Stadtbücherei Senden, schickte ich den Krimi, dessen Titel inzwischen zu „Schwabenblut“ geworden war, an Midnight. Und im Dezember bekam ich dann die wunderbare Nachricht, dass der Verlag das Buch Anfang 2017 veröffentlichen wird.

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Im November begann ich mit der Arbeit an einem neuen Krimiprojekt mit dem Arbeitstitel „Lindenweiherleichen“. Leider zwang mich mein Magen zu einer dreiwöchigen Zwangspause, aber erfreulicherweise konnte ich die Erstfassung gerade noch rechtzeitig fertigstellen, ehe „Schwabenblut“ mit Arbeitsaufträgen aus dem Lektorat zurückkam.

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Wenn ich mir das alles durchlese, stelle ich zu meinem großen Erstaunen fest, dass ich 2016 drei Romane mit insgesamt beinahe einer halben Million Wörtern geschrieben habe. Heiligsblechle, wie der Schwabe sagt :-).

Doch 2016 bestand nicht nur aus Schreiben. Ich machte auch meine ersten Schritte in den sozialen Medien, begann in (leider unregelmäßigen Abständen) zu bloggen, durfte zwei Interviews geben, erstellte eine Homepage und weckte das Interesse von mehr als 300 Menschen, die mir inzwischen bei Twitter folgen. Zudem trat ich den BartBroAuthors bei, einem witzigen und kreativen Verein, in dem sich Autoren, Lektoren, Grafiker und anderweitig Bücherverrückte zusammengeschlossen haben, um bessere, schönere und bewegendere Literatur zu schaffen. Durch die Vernetzung mit meinen bärtigen Autorenfreunden habe ich viel gelesen, viel gelernt, aber auch viel gelacht und so wurden die BartBroAuthors zu meinem literarischen Highlight 2016.

Nun bin ich gespannt, was mir 2017 bringt. Ein erster Fixpunkt wird die Veröffentlichung von „Schwabenblut“ in Februar, der ich schon entgegenfiebere. Wenn ich „Lindenweiherleichen“ den letzten Schliff gegeben habe, werde ich mir überlegen müsse, ob ich den Roman selbst verlege oder ihn einem Verlag anbiete. Danach werde ich mich dann in mein nächstes Projekt stürzen, einen in London spielenden Psychothriller mit dem Arbeitstitel „FS 1900“. Außerdem plane ich einen „Inge-Vill“-Kurzkrimi sowie Band 4 der Reihe. Und schließlich warten auch noch meine historischen Romane auf eine Fortsetzung, F. J. Conrad scharrt schon mit den Hufen. So wie es aussieht, wird es mir wohl nicht langweilig werden.

Liebe Leser, ich wünsche Euch allen ein frohes, gesundes und vor allem friedvolles Jahr 2017. Wir lesen uns!